Grand-mal ohne Strobo

Jetzt, da James Blake wirklich in aller Munde, also wie angekündigt in der Popkultur angekommen ist, kann man sich auch wieder dem Dubstep in anderen Spielarten zuwenden. Längst überfällig ist ein größerer Auftritt von Zomby, der seit 2007 mit verschiedenen Singles und EPs auf Labels wie Brainmath, Ramp Recordings sowie Hyperdub für immer wiederkehrende Furore auf dem Dancefloor sorgte. Seine wahre Identität verschleierte er auch noch erfolgreich nach dem Erscheinen seines genialen Debütalbums »Where Were U in ’92?«, eine 2008 auf Darren J. Cunninghams (Actress) Label Werk Discs veröffentlichte, in Dubstep-Rhythmen gefasste tiefe Verneigung vor der Ravekultur Ende des 20. Jahrhunderts. Zombys Tracks sind sofort identifizierbar, klingen äußerst polyrhythmisch, wackelig, beinahe chaotisch, sprich: wonky.

     Die Pflichtlektüre zu diesem Thema hat Adam Harper schon im Juni 2009 in seinem Blog aufgeschrieben, quasi ein Kompendium von Wonky. Zomby plündert in Musikstilen wie Acid, Baille, Cumbia, Dub, Aphex-Twin-Electro und Hiphop und verschneidet bekannte Klangeelemente mit hochsynthetischen Spielkonsolen-Sounds – plötzlich stehen so Vocalsamples von Busta Rhymes’ bzw. Missy Elliots Version von Daft Punks »Technologic«-Sample neben blechern scheppernden Bleeps, unter allem zieht sich eine tief blubbernde Bassline durch die stets im Tempo changierenden Zomby-Tracks – bei ihm klingt Musik so, als brauche man kaum noch ein Stroboskoplicht, um sein Grand-mal abzubekommen. Der britische Musikjournalist Simon Reynolds formulierte das etwas anders: »(Zomby sounds) like someone’s taken the monochrome diagram of dubstep’s rhythmic grid and scrawled woozily all over it in fluorescent marker pens.«

    Zombys neueste Stücke »▲«, »►« und »«, die in ihrer Symbolik den Motiven der zahllosen Witch-House-Bands folgen, steht dieser Methodik in nichts nach. Dubstep und Drum&Bass kollidieren hier in einem Frontalzusammenstoß, dazu hört man verhalltes Sägezahnsirenenheulen, kurze Vocal-Samples und eine Andeutung von Melodie. Wie lagerübergreifend Zombys Produktionen auch klingen können, zeigen unter anderem seine Remixes: Sowohl für Indie-Bands wie Franz Ferdinand als auch Animal Collective trat Zomby auf die Bass-Bremse, Animal Collective wiederum wählten den Briten in das Programm der von ihnen kuratierten All Tomorrows Parties im Mai dieses Jahres.

    »▲« soll Gerüchten zufolge in Kürze auf dem Indie-Label 4AD erscheinen, auf deren Homepage unter »Z« bisher zwar noch niemand zu finden ist und es daneben unklar bleibt, ob es sich dabei nur um eine Single oder gar ein ganzes Album handeln könnte – aber das kann ja alles noch werden. Eine größere Aufmerksamkeit hätte das Phantom allerdings längst verdient.

 


STREAM: Zomby –


STREAM: Zomby –


STREAM: Zomby –


STREAM: Animal Collective – Summertime Clothes (Zomby's Analog Lego Remix)


STREAM: Zomby – Daft Punk Rave (aus »Where Were U in ’92?«)

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