Nadah El Shazly „Ahwar“ / Review

Nadah El Shazly aus Kairo lebt auf ihrem ersten Album des Zwiebelprinzip: Soundschichten wachsen so organisch zusammen, dass ihr Ideenreichtum nie zu überladenen Songs führt. Eine echte Entdeckung.

Zwischen gezupfter Oud, brummendem Kontrabass, Streichern und dissonanten Flöten setzt in Nadah El Shazlys Song „Barzakh“ ein rollender Bass ein, um zwei Minuten später eine weitere Transformation zu erfahren und in einen summenden Chor überzugehen. Popmusik ist das also nicht – trotz des rhythmischen Gesangs, der im Verlauf des achtminütigen Stücks wie ein weiteres Instrument hinzukommt. El Shazlys Stimme vereint alle Elemente und funktioniert als Zentrum ihrer Soundideen. Auf Arabisch singt sie bildmächtig über Erinnerungen, Selbstsicherheit und Zweifel. Die aus Kairo stammende Musikerin und Produzentin legt mit ihrem Debüt ein in Szenekreisen langerwartetes Album vor.

El shazlys Gesang funktioniert auch ohne die beigefügten Übersetzungen.

Ihr Gesang funktioniert als wichtigstes Element auf Ahwar auch ohne die beigefügten Übersetzungen. Er ist gleichermaßen aufbrausend wie leise klagend und behält selbst in kakofonischen Momenten die Kontrolle über die Songs. Schon El Shazlys unterschiedliche Betonungen verleihen ihrer Stimme eine außerordentliche Rhythmik, die von ägyptischen Popsängerinnen und -sängern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Sayed Darwish beeinflusst ist. Dessen Song „Ana ’Ishiqt (I Once Loved)“ hat sie für Ahwar in einer Version gecovert, die die sehnsüchtig-dramatische Stimmung des Originals, dessen Text von Younes Al-Qadhi stammt, gekonnt einfängt: „How I endured / We were never attuned / Thought my heart / Was your eager prisoner“.

Während die Stimme in „Ana ’Ishiqt (I Once Loved)“ irdisch, kräftig und melancholisch klingt, fließen Harfe und Kalimba sanft dahin und verleihen dem Song eine gespenstische Atmosphäre. El Shazlys Produktion verwebt zeitgenössische experimentelle Musik mit elektronischen Elementen und Samples sowie traditionellen Orchesterinstrumenten. Die zwiebelartigen Soundschichten wachsen dabei so organisch zusammen, dass ihr Ideenreichtum nie zu überladenen Songs führt. Eine echte Entdeckung.

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