Mut zur Hässlichkeit: Scott Coopers »Black Mass« / Filmfeature zur DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung

Bilder: Filmstills aus dem offiziellen Trailer von »Black Mass«

Aufgeklebte Halbglatze, stechend blaue Augen und brutales Charisma: In Scott Coopers Black Mass brilliert Johnny Depp als hässlicher Psychopath im Gewand eines harmlosen Kleinbürgers in der Rolle des berüchtigten James Bulger, der mit Hilfe des FBI zum mächtigsten Unterwelt-Boss von Boston aufstieg. Am 18. Februar wird das Gangster-Biopic auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Boston in den Siebzigerjahren: Der irischstämmige Gangster James Bulger (Johnny Depp) versucht die Kontrolle über die Stadt zu gewinnen. Um die verfeindete italienische Mafia zu eliminieren, geht er ein Bündnis mit dem FBI ein, wo sein Jugendfreund John Connolly (Joel Edgerton) zum Agenten aufgestiegen ist. Bulger nutzt die Abmachung jedoch zu seinem eigenen Vorteil: Er liefert die Konkurrenz ans Messer und füttert die Bundespolizei, die ihn gewähren lässt, mit wenig hilfreichen Informationen.

Vor allem hält er sich nicht an die Vereinbarung, keine Menschen umzubringen. Drogenhandel, Erpressung, Geldwäsche – skrupellos verfolgt Bulger seine Ziele und kontrolliert mit der Winter-Hill-Gang  das kriminelle Geschäft Bostons. Als sein Sohn Douglas (Luke Ryan) plötzlich am Reye-Syndrom stirbt und anschließend darüber James‘ Beziehung mit Freundin Lindsey (Dakota Johnson) in die Brüche geht, verbittert der Gangster zunehmend. Unterdessen wird Connollys Vorgesetzter Charles McGuire (Kevin Bacon) ungeduldig und fordert endlich hilfreiche Ergebnisse aus der Bulger-Verbindung.

BLACK MASS

Basierend auf dem Bestseller Black Mass: The True Story Of An Unholy Alliance Between The FBI And The Irish Mob von Gerard O’Neill und Dick Lehr erzählt Scott Coopers Black Mass eine klassische Aufsteigergeschichte aus dem Gangster-Milieu, die Johnny Depp nach seinen skurrilen Fluch der Karibik-Auftritten wieder als ernstzunehmenden Charakter-Schauspieler präsentiert. Depp, mit aufgeklebter Halbglatze und Goldrandbrille, füllt in seiner Rolle nahezu jede Szene mit brutalem Charisma aus und macht die immense Wut der Figur ebenso spürbar, wie ihre erschreckend selbstgerechte Sentimentalität.

Es ist deshalb umso enttäuschender, dass Depps darstellerische Leistung keine Entsprechung in der Dramaturgie von Black Mass findet, der letztlich in einer spannungsleeren Szenenfolge verpufft. Streng chronologisch, einige Rückblenden ausgeschlossen, schleppt sich Coopers Inszenierung durch Jahre und Kulissen.

Diese Schwäche offenbart sich vor allem in der Schilderung zentraler Beziehungen Bulgers. Sein Verhältnis zu Lebensgefährtin Lindsey wird erst vielversprechend initiiert, dann übergangslos aus dem Film komplimentiert und bleibt damit ebenso skizzenhaft wie seine Männerfreundschaft mit dem FBI-Agenten John Connolly, der mutwillig das Gesetz beugt und sein Schicksal an den sträflich von ihm verharmlosten Verbrecher knüpft.

Dabei gestattet doch gerade das Genre des Gangsterfilms historisch viele aufregende Referenzen auf das Verbrecherdasein – siehe Francis Ford Coppolas Godfather-Saga, Brain De Palmas Scarface  oder Martin Scorseses Mafia-Epos Goodfellas. Besonders Scorseses Filme leben von bildgewaltigen Doppeldeutigkeiten, Ironie, Emotionen und Träumen, die irgendwo verloren gehen. Coopers Film dagegen schafft es nicht, seine Figuren psychologisch schlüssig zu durchdringen oder die Mechanismen von Bulgers krimineller Organisation nachvollziehbar zu vermitteln.

Am Ende bleibt die Gewissheit, dass man Black Mass vor allem wegen der famosen schauspielerischen Leistungen statt des blutleeren Inhalts verfolgt. Guter Nebeneffekt des Films: Johnny Depp befreit sich durch seinen furchteinflößenden Auftritt gekonnt aus den Fängen von Jack Sparrow und entstaubt zudem den Charakterdarsteller in sich.

Sehenswert ist Black Mass aber auch dank seiner detailverliebten, authentischen Ausstattung. Die am 18. Februar veröffentlichte DVD- und BluRay-Edition liefert zudem ein interessantes Special: Wo im Kino zwischen Verbrechen und Verhaftung nur ein Wimpernschlag liegt, erfährt der Zuschauer nun auch von den späten Jahren Bulgers, der von einem Unterschlupf zum nächsten flüchtete und erst im Jahr 2011 in Santa Monica verhaftet wurde.

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Black Mass
USA 2015
Regie: Scott Cooper
Mit Johnny Depp, Joel Edgerton, Kevin Bacon u. a.

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