Musik von morgen: EP-Vorabstream: Yoga – »Azur«

Mitteilung zum Montag: Wir haben Zeit.

Yoga machen halb lang und schließen damit eine Erinnerungslücke. Was wurde eigentlich aus Fotos? Diesem Deutschrock-Guerilla-Quartett, das alle Liegengebliebenen mit simplen Gitarren und einer ebenso simplen Botschaft aufbaute: wer ausgebremst wurde, kann anschließend doppelt Gas geben. »Nach jeder Niederlage / wenn du neu anfängst / wenn ich müde bin / und du den Wagen lenkst«, sang Thomas Hessler in viel zu jungen Jahren in viel zu gebeutelten Post-Punk-Liedern. Knapp eine Dekade ist das her, die Saiten des Quartetts aus Augsburg, Hamburg und Köln üben sich nach drei Alben nun tatsächlich im Stillstand und das Berliner Trio Yoga nimmt den Faden auf – auch Yoga wissen, dass du weißt: Am Ende ist es die Langsamkeit, die uns rettet.

Im absoluten Kontrast zu ihren ziel- und selbstbewusst geradeaus schießenden Instrumenten stehen Yoga – vielleicht dem Blumenberg-Band sei Dank, den der Pressetext als Inspirationsquelle anführt – genannten Fotos zwar in Sachen absolutem sprachlichen Metaphernreichtums in nichts nach, sind sich ihres Platzes in oder jenseits dieser Welt allerdings noch nicht ganz so sicher. Während Hessler konstatierte »Ich hab mich schon verloren«, kommt Yoga-Texter Alexander Roth der Sache schrittweise auf die Schliche: »Langsam, aber sicher, geht mit mir etwas durch.«

Langsam, aber sicher: Nach ihrem Antrittsbesuch Spital Hawaii vor zwei Jahren suchen die Zögerlichen auf Azur gezielter nach ihrem Ton und ihrem Tempo. Virginia, Jetzt!? Später. Und die Sterne sind nicht nur entfernte Himmelskörper, nach denen im »Milchwald« aufgesehen wird, sondern etwas, dem man sich auch musikalisch annähert. Offensichtlich wird immer wieder gen Spilker geschielt – ohne Richtung und Verstand, versteht sich, und mit rettendem Sicherheitsabstand zur Hamburger-Schule-Referenz.

Azur erscheint am 17. Oktober als Tape auf dem Berliner Label Späti Palace und kann hier bestellt werden. SPEX.de streamt die EP exklusiv vorab.

Yoga live
24.10. Berlin – Feierhalle, Lilienthalstraße 7

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