Moon Duo Circles

Moon Duo

Moon Duo — Circles
Moon Duo
Circles
Souterrain Transmissions / Rough Trade

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»Die Hippies kommen, die Hipster gehen.« So lautete vor anderthalb Jahren die so griffige wie verwirrende Überschrift eines Artikels über Moon Duo in dieser Zeitschrift. Eigentlich ging es um Haight-Ashbury als einstigen Hippie-, dann Hipster- und zwischendurch wieder Hippie-Stadtteil San Franciscos, aus dem Ripley Johnson und Sanae Yamada alias Moon Duo zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder weggezogen waren. Wie gesagt: verwirrend. Am besten nennt man Yamada und Johnson einfach Hippie-Hipster, denn 60er-mäßiger als die beiden kann man kaum sein, selbst wenn man den Bandnamen außer Acht lässt. Wie Nomaden ziehen sie durch die USA, lassen sich mal hier (San Francisco) und mal dort (Arizona, Rocky Mountains) nieder, und man kann sich gut vorstellen, dass sie dabei in einem mit Blumen bemalten Uralt-Van unterwegs sind.

   Ihr neues Album Circles ist vom gleichnamigen Essay des Prä-Hippies Ralph Waldo Emerson beeinflusst, der vom Phänomen der Kreisfigur in der Natur handelt und die Theorie des »fliegenden Perfektionismus« entwickelt, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Der Begriff klingt aber an sich schon mal gut und passt perfekt zur Musik von Moon Duo, das Circles vom TransAm-Gitarristen Phil Manley produzieren ließ. Nach zwei EPs und dem Album Mazes bringen Moon Duo ihren spacigen Post-Progrock mit Kraut- und Psychedelic-Einflüssen jetzt zur Perfektion – auch wenn das paradox erscheinen mag. Johnson und Yamada daddeln ganz schön rum, lassen spiralförmig waberndes Hawkwind-Hall-Wah-Wah-Mäandern über stoische Drummachine-Backbeats laufen und spielen mit altmodischen Effekten, dank derer die Hörer den gesamten Raum, pardon: space von vorne nach hinten, von oben nach unten und wieder zurück erfahren – aber: they don’t get lost.

   Immer, wenn man im Geiste den rauschbärtigen Ripley Johnson auf einem Chopper gen Roswell abdriften sieht oder meint, eine Sitar erklingen zu hören, wo gar keine ist, dann schießen Moon Duo einen knackigen Garagen-Track wie »I Can See« oder »I Been Gone« aus der Hüfte und landen mit den Füßen auf dem Boden eines angesagten Hipster-Clubs, der sich vielleicht sogar in Haight-Ashbury befindet. Aber dann geht’s wieder weiter mit dem Hippie-Van auf der Suche nach dem fliegenden Perfektionismus. (Selbige setzt sich von heute bis Samstag auf Tour durch Hamburg, Leipzig und Berlin fort – Termine nachfolgend.)

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Moon Duo live
08.11. Hamburg — Kampnagel Theater
09.11. Leipzig — Skala
10.11. Berlin — HAU1

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