Mirel Wagner: Video zu »Oak Tree« & Interview über ihr neues Album

Mirel Wagner by Aki Roukala

Mirel Wagner meldet sich mit einem neuen Album zurück. SPEX zeigt erstmals das neue Video zu »Oak Tree« und hat mit der finnischen Künstlerin bereits vorab über die Entstehung ihres Zweitwerks gesprochen.

»I'm very bad at music«, entschuldigt sich Mirel Wagner beim Treffen in Köln im Dezember. Die Young Marble Giants, die ebenso wie sie beim Week-End Fest an diesem Tag auftreten werden, kenne sie nicht. Ohnehin sei sie leicht nervös, schließlich werde sie auch einige neue Songs vorstellen: »Ich bin da wie eine Mutter und möchte nicht, dass jemand meine Kinder hässlich nennt.« Auf derartige Gedanken kommt am Ende des Tages aber niemand, denn die drei Neulinge knüpfen nahtlos an jenen reduzierten, morbiden und eindringlichen Folk an, den Mirel Wagner vor nun schon zwei bzw. drei Jahren auf ihrem Debütalbum präsentiert hatte.

Mit dessen Nachfolger When the Cellar Children See the Light of Day, welcher am 15. August erscheinen wird, ist Mirel Wagner nun zum US-Label Sub Pop weiter gezogen, auch Produzent Vladislav Delay, der u. a. jahrelang Teil des Moritz von Oswald Trios war, ist neu. Nachdem der Albumtitel »What Love Looks Like« bereits auf einer von Music Finland und The Line of Best Fit kuratierten 10" zu hören war, ist »Oak Tree« nun der zweite Vorgeschmack zur LP. Im Video folgt Wagner dabei einem traumwandelnden kindlichen Ebenbild durch Wald, das Interview in Köln bestritt sie wiederum ganz allein.

Mirel Wagner, wie haben Sie das letzte Jahr verbracht?
Es war schön, die neuen Songs in Ruhe schreiben zu können. Die Themen sind dabei die gleichen geblieben, große Emotionen, nur präziser. Wenn man es ganz simpel sagen will, dann geht es diesmal sogar noch mehr um das Leben selbst – und alle Dinge, die es mit sich bringt.

Also wird es weiterer düstere Lieder über den Tod geben, mit denen Sie nicht Wenige in erster Linie assozieren?
Ja. Mich stört das nicht. Warum auch? Leute packen nunmal gerne Sachen in Schubladen. Stören kann da nur, wenn sie eine bestimmte Vorstellung von einem Label beim Hören ablenkt und sie sich nicht konzentrieren können.

Wie schreiben Sie ihre Musik?
Das ist unterschiedlich und ich versuche das auch noch immer herauszufinden, wie ich besser Lieder schreiben kann. Manchmal dauert das Jahre, manchmal einen Tag. Manche der neuen Songs sind noch sehr alt. Wenn eine Idee gut ist, dann bleibt sie stets bei mir, bis die Zeit die richtige ist, um daraus ein Lied zu machen. Ich muss sehr ruhig sein, mich sicher fühlen und mir dafür Zeit nehmen, um schreiben zu können. Mir bereitet das sehr viel Freude und ich finde es bis heute faszinierend. Das passiert meistens zu Hause, da ich nicht so gut darin bin, in Cafés zu schreiben.

Als Produzenten haben Sie für dieses Album statt Jürgen Hendlmeier nun Vladislav Delay alias Sasu Ripatti dazugeholt.
Er ist ein mysteriöser Mann, ich weiß gar nicht mehr, wie wir auf ihn gestoßen sind. Mehr Gedächtnis ist ohnehin sehr schlecht. Es gab jedenfalls sehr viele Angebote für eine Zusammenarbeit bei diesem Album, mit ihm erschien mir das aber am einfachsten. Sasu lebt auf einer Insel außerhalb der finnischen Stadt Oulu. Er kann gut zu hören, lässt Raum und zeigte eine große Leidenschaft für die Aufnahmen.

Gerade dieser Raum und die Reduktion der Musik waren bislang auch das Besondere an Ihren Songs.
Mir persönlich gefällt es besonders, wenn ein Song sehr viel Raum bietet. Diese Ruhe, die stillen Pausen, sie verursachen meiner Meinung nach viel mehr Lärm als es normaler Krach eben könnte. Das ist allerdings auch sehr schwierig umzusetzen.

Müssen Sie dadurch nicht aber auch gefühlvoller und präziser spielen?
Da haben Sie recht. Wenn alles simpel ist, wenn die Noten wirklich etwas bedeuten, dann muss man mehr über die Musik nachdenken. Mir persönlich ist es wichtig, dass es dabei nicht um reines Prahlen geht. Jede Note muss etwas zu einem Song beitragen und darf nicht von ihm wegführen.

Ihr erstes Album erschien bereits 2011 in Finnland. Wie beurteilen Sie es heute?
Nachdem ich die Lieder so oft gespielt habe, haben sie sich etwas weiterentwickelt. Wenn ich mir heute meine CD anhöre, denke ich mir oft: Ach richtig, so muss das eigentlich gehen! Aber es ist eben etwas seitdem passiert, etwas Interessantes. Dennoch würde ich an dem Album nichts verändern, ich bin immer noch sehr stolz darauf. Zumal ich durch diese Verschiebungen auch neue Bedeutungen in meinen eigenen Stücken erkenne, etwa in »To The Bone«. Gewissermaßen leben die Lieder, sie haben ein Eigenleben.

Mirel Wagner When The Cellar Children See The Light Of Day Tracklist
01 1 2 3 4
02 The Dirt
03 Ellipsis
04 Oak Tree
05 In My Father’s House
06 Dreamt Of A Wave
07 The Devil’s Tongue
08 What Love Looks Like
09 Taller Than Tall Trees
10 Goodnight