Was wurde aus Punk Islam?

taqwacore
Schauspieler Volkan Eryaman (links) spielt die Rolle des Amazing Ayyub in der Verfilmung von The Taquacores. Hier besucht er eine Muslim-Punk-Show am 22. Juni 2009 im New Yorker Club Fat Baby's.
Foto — Kim Badawi / Reportage by Getty Images

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(…) »We’re not Taqwacore«, singt die Band Secret Trial Five. Offenbar ist aus der Rebellion gegen Zuschreibungen selbst ein beengendes Label geworden. Wie kam es dazu?
MICHAEL M. KNIGHT:   Die meisten kleinen Punkszenen können organisch wachsen und werden erst dann von Außenstehenden wahrgenommen, wenn sie ein stabiles Fundament entwickelt haben. Für Taqwacore gilt das nicht. Die amerikanischen Medien haben sich geradezu auf uns gestürzt. Bevor die Bands selbst herausfinden konnten, wer sie sind, wurden sie zum Maskottchen für alles Mögliche. Secret Trial Five sind ein gutes Beispiel: Diese Band hat seit ihrer Gründung im Jahr 2005 noch keine zehn Konzert gespielt. Dennoch sprechen wir über sie, als seien sie Teil einer Massenbewegung.

Wie sieht heute Ihre Beziehung zu Taqwacore aus?
   Ich habe damit nichts mehr zu tun. Mit den Kominas bin ich befreundet, aber ich gehe nicht mehr zu ihren Konzerten. (…)

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   Vor neun Jahren schrieb der Konvertit MIchael Muhammad Knight seinen Roman The Taqwacores und öffnete damit den Blick auf die außergewöhnliche, wenn auch kleine, Szene des Punk Islam mitten in den USA und Kanada. Eine reges internationales Medienecho, einschließlich eines Dokumentarfilms (Trailer unten) und einer Verfilmung des Buchs, folgte; versprach das Thema in den post-9/11-Jahren doch kulturelle Brisanz. In Spex #337 legt Michael Muhammad Knight nun im Gespräch mit Autor Oskar Piegsa seine Ernüchterung über die Entwicklung offen. Parallel dazu zeichnet Piegsa in sieben Schritten selbst das Phänomen nach und bespricht die diese Woche endlich bei Rogner & Bernhard erscheinende deutsche Übersetzung Taqwacore vor dem Hintergrund von Islamierungsdebatte und arabischem Frühling. Was wurde aus dem Punk Islam? Wie geht es weiter?

   Fragen die sich natürlich trefflichst auf der von Spex präsentierten Lesetour Michael Muhammad Knights in Leipzig, Köln und Berlin diskutieren lassen. Abgeschlossen hat er mit den Taqwacores dann nämlich doch nie. Und diese umfassen wiederum, wie Piegsa schreibt, ein breites Spektrum: »Man muss keinen Iro tragen, um Taqwacore zu sein – der Begriff gilt für alle Gläubigen mit Schönheitsfehlern: Hundebesitzer oder Biertrinker, Frauen, die sich nicht verantwortlich fühlen, wenn Männer beim Anblick ihrer unverhüllten Haare schlüpfrige Gedanken bekommen, oder Jugendliche, die gerne Salamipizza essen.« (Alle Termine samt Gästen nachfolgend.)

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Trailer — Taqwacore: The Birth of Punk Islam, Regie: Omar Majeed. Eye Steel Film, 2009.


Video — The Kominas Sharia Law in the U.S.A, Szenen aus The Day I Became a Woman (2000) 

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Spex präsentiert: Michael M. Knight auf Lesetour
15.03. Lesung auf der Leipziger Buchmesse und Diskussion im UT Connewitz, mit Edgar Eckert (Zentraltheater Leipzig) und Tobias Rapp (Spiegel)
16.03. Lesung auf der Lit. Cologne, Köln
17.03. Lesung mit Tamer Yigit und anschließende Diskussion mit Jakob Augstein im Roten Salon der Volksbühne, Berlin

 

Michael Muhammad Knight
Taqwacore
aus dem amerikanischen Englisch von Yamin von Rauch, 306 Seiten, Rogner & Bernhard — 16.03.12

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