Michael Fakesch

Funkstörung haben sich vor einem Jahr aufgelöst. Seitdem verbringt Michael Fakesch, die seit der Trennung aktivere Hälfte des ehemaligen Rosenheimer Duos, viel Zeit mit der Komposition von hochsubtilen Sound-Designs. Nicht nur für sich, sondern beispielsweise auch für die Audioausstattung gut bezahlter High-Tech-Animationen, in denen knallrote Kleinwagen von Toyota beworben werden. Die Clips sind super, und für Fakesch sind vermutlich perfekte Arbeitsbedingungen und intelligente Storyboards die entscheidenden Kriterien bei der Überlegung, ob er seinen Namen in diesem Falle als Dienstleister für gut zahlende Marken hergibt oder nicht. Überhaupt: Was ist noch Freizeit und was bereits Arbeit, was Werbung und was Kunst, wenn man tagein, tagaus ohnehin wie ein Besessener die Möglichkeiten digitaler Ausdrucksmöglichkeiten auslotet?

    In Fakeschs Fall mündete die unablässige Beschäftigung mit verknoteten, in sich verdrehten und noch dazu supercleanen Beats und Sounds jetzt in seinem, je nach Zählweise, ersten oder zweiten Soloalbum. Das erste, »Marion« von 1999, sei nicht wirklich ein Solowerk, sagt Fakesch, da es lediglich eine Sammlung von Tracks gewesen sei, kein wirkliches Künstleralbum. »Dos« wiederum, spanisch für ›Zwei‹, sei eigentlich eine Kollaboration mit dem Sänger Taprikk Sweeze, also eigentlich ein gemeinsam erarbeitetes Album, das unter beider Namen hätte veröffentlicht werden können.

    Vor allem aber definiert Michael Fakesch, dem allein die Anerkennung für die entkernte Soundarchitektur dieses 15-Track-Geniestreichs gebührt, mit »Dos« ein neues Kapitel des Funk. Ersichtlichster Referenzpunkt ist Prince, und zwar dessen geiler Minimal-Funk aus seligen »Controversy«-Tagen. In Falle von Tracks wie »Escalate« oder »Complicated« wirkt »Dos« gar wie eine Analog-zu-Digital-Übersetzung dieses ebenso wegweisenden wie sperrigen Früh-Achtziger-Synthie-Sounds.

    Andere, aus dem Klang heraus hörbare Quellen sind Aphex Twin und Derrick May. Fakesch selbst legt Wert auf die Feststellung, dass »Dos« vor allem deshalb so funky und doch so modern klinge, weil er sich eben gar nicht erst an George Clinton orientiert habe, sondern gleich an Rappern wie Grandmaster Flash, dessen frühe Hiphop-Tracks deutliche Spurenelemente vom Funk der Siebziger aufwiesen.

    Taprikk Sweezes Sprechgesang erinnert an Jamie Lidell, George Michael und abermals Prince – beste Wahlverwandte also –, und das Wechselspiel zwischen gedoppelter Leadstimme und durcharrangierten Harmoniegesängen gehört zum Raffiniertesten, was in den letzten Jahren in der elektronischen Musik zu hören war. Während es nicht groß überrascht, dass Fakesch Tanznummern wie »Left« oder die erste Single »Soda« mit großem Gespür für ihre Wirkung zusammenprogrammiert hat (sie wirken geradezu mühelos), sickern die düster-balladenhaften Tracks »Wire« und »Miko« geradezu unwiderstehlich ins Unterbewusstsein.

LABEL: !K7 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 27.07.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here