Marteria „Roswell“ / Review

Unangenehm: Marteria will den Völkerverständiger geben und verliert sich dabei in Plattitüden.

„Aus Area 51 wird Marteria 51 / Aus Roswell wird Rostock“ – sein dauerdichtes grünes Alter Ego Marsimoto ist Marten Laciny offensichtlich nicht genug. Auf seinem vierten Album als Marteria inszeniert er sich nun ebenfalls als auf der Erde gestrandetes Alien. Allerdings sind Zweifel an der Geschichte angebracht, denn auf der Homepage der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V. ist für den Bereich Rostock seit 1972 nur eine einzige Sichtung eines unbekannten Flugobjekts vermerkt.

Im Pop ist das Alien aber schon immer ein willkommenes Wesen, um entweder aus seiner neutralen Beobachterperspektive über das unsinnige Treiben der Menschheit zu berichten, oder um die erfahrene Ausgrenzung in eine extraterrestrische Herkunft und Überlegenheit umzumünzen. Auf Roswell werden diese Ideen zu einer Botschaft vermengt, die etwa lautet: „Wir sind alle anders, wir sind alle gottverwandte Aliens.“

sein dauerdichtes grünes Alter Ego ist Marten Laciny offensichtlich nicht genug.

Hört man bei der ersten Single „Aliens“ mit Hook von Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß genauer hin, merkt man aber, dass hier ein Anderssein gefeiert wird, das gar nicht so anders klingt: Kids spielen mit Hose in den Socken Fußball vorm Fast-Food-Laden, der Skater kauft Kondome. So weit, so abgefahren. Unangenehm wird es aber, wenn Marteria in der zweiten Strophe dem weltweiten Aufschwung der Fremdenfeindlichkeit als Völkerverständiger entgegentreten möchte, und das hier dabei rumkommt: „Die meisten Fremden haben immer etwas Neues zu geben / Haben so viel mitgebracht, könnten so viel von uns lernen / Sind genau wie ihr, verlieren nicht so gern.“ Das ist ähnlich erkenntnisreich wie der Song „Das Geld muss weg“, der den Widerspruch aufdeckt, dass Materialismus irgendwie doof ist, viel Geld zu haben aber trotzdem geil.

Dass Marteria auf den letzten beiden Songs von Roswell erst seine Erfahrung als mittelloses Model in New York erinnert und anschließend aus der Ich-Perspektive eines Geflüchteten rappt, kann man als effektvolle Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Lebenswege sehen. Mit Blick auf das Alien-Konzept hinter Roswell muss man dem Rostocker aber vielmehr vorwerfen, dass hier Parallelen zwischen zwei Formen der Fremdheit gezogen werden, die nichts gemein haben.

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