Mando Diao Bring ´Em In

Hey, ho, let´s go Marktübersättigung. Was derzeit im Backlash von wohl immer noch »The White Strokes« an minderprächtigen Retro-Rock-Bands von den Schulhöfen weggesignt und in die Regale der Tonträgerketten gedrückt wird, kann Menschen, die auf einem Album ganz gerne hier und da einem ordentlichen Song begegnen, schon mal in sabbernde Gemütskrüppel verwandeln.

    Die Hauptleidtragenden sind neben den Konsumenten vor allem jene Bands, die zwar stilistisch grob ins Raster des ausgemachten Trends passen, darüber hinaus aber das entscheidende Plus an Originalität, Wissen, Haltung und songschreiberischer Qualität bieten. Sie gehen leider allzu oft im Ozean der gesichts- und geschichtslos vor sich hin bolzenden Epigonen unter.

    Ein Schicksal, das auch die Schweden von Mando Diao hätte treffen können. Deren Debüt hat nämlich in der Tat alles zu bieten, was ein aufmerksamer A&R sich von einer Garagerock-Band erhoffen kann: Sound, Image, Jugend, Aussehen – Klischeeübererfüllung vom Allerfeinsten. Dem Himmel sei Dank dafür, dass das wirklich unglaubliche Talent der vier jungen Herren sich offensichtlich längst herumgesprochen hat: als das Album hierzulande endlich erschien, machte »Bring ´Em In« bereits erfolgreich als Import die Runde. Zu Recht, bietet das Quartett doch bei aller Rückwärtsgewandtheit niemals bloßen Zitatrock – und das, obwohl kaum eine Besprechung ihres Erstlings um die Nennung von The Who herumkam. Denn sie versuchen nie, so zu klingen, sie machen nur genau das richtig, was die Ur-Mods unglaublich richtig machten: sie spielen hymnische wie aufrührerische, hysterische wie tighte, großmäulige wie kümmernde, ruppige wie seelenvolle Anthems, kreieren eine Aura solch konzentrierter Anspannung, dass für ihre Musik jener Begriff, den The Who damals prägten, so zutreffend wie schon lange nicht mehr erscheint: Maximum R&B.

    Aber Mando Diao gehen weiter, die Brutalität ihrer Songs stützen sie pointiert mit feinen aber schwergewichtigen Details wie der präzise hämmernden Percussion im Opening Track, hypnotisierenden Orgelpassagen und kurzen, aufwühlenden Soli in bester Chuck Berry-Tradition. Hier treffen harmonieverliebte Merseybeat-Melodien auf B.B. King-Bluesläufe, schmutzige Swamprockausfälle und eine Produktion, die – angenehm unskandinavisch – so gar nicht dickeierig daherkommt. Und diese Band verfügt über gleich zwei Gesangsstimmen, die auszeichnet, was auch in den am hellsten strahlenden Momenten des Albums – dann, wenn distinguierter britischer Beat und der leidenschaftliche Soul des amerikanischen Südens ineinander verfließen, die Songs auf »Bring ´Em In« so einzigartig macht: dass sich in ihnen Fieber und Gebet auf´s Wundervollste ergänzen. Immer beeinflusst, niemals abhängig.

LABEL: Capitol

VERTRIEB: EMI

VÖ: 29.03.2004

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