Ein Haus aus Licht & Klang

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Foto — René Block / MaerzMusik2012

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Ein doppeltes Jubiläum bildet das Fundament für das Festival für aktuelle Musik: MaerzMusik 2012: 100 Jahre John Cage, 60 Jahre Wolfgang Rihm. Seit Samstag und noch bis zum Sonntag, dem 25. März, veranstalten die Berliner Festspiele ein reichhaltiges Programm rund um das gegensätzliche Schaffen der beiden Komponisten. John Cage, vor fast zwanzig Jahren verstorben und bis heute für zahlreiche Künstler eine Inspiration – erst kürzlich etwa für Christian Naujoks  –, prägte die Neue Musik wie nur wenige andere. Von heute bis Mittwoch (jeweils von 10:00-16:30 Uhr) widmet sich – bei freiem Eintritt – ein Symposium im Haus der Berliner Festspiele dem Stichwort »John Cage und die Folgen«. Seine Musik erklingt dann unter anderem am Dienstag als Teil der von Spex präsentierten, leider jedoch bereits ausverkauften Sonic Arts Lounge im Berghain – zum Einsatz kommt hier der achtspurige Williams Mix, den Werner Dafeldecker und Valerio Tricoli obendrein erstmals live als Williams Mix Extend interpretieren werden (Videoexzerpt unten). Auf Wolfgang Rihm, ein Schüler Eugen Werner Veltes und Vertreter eines expressiven Subjekts in der Musik, liegt der Fokus etwa am Mittwochabend im Kammermusiksaal der Philharmonie: Das portugiesische Remix Ensemble spielt unter der Leitung von Peter Rundel und mit Sonia Wieder-Atherton am Violoncello seine Max Beckmann-Hommage Versuchung und das 2005er Will Sound More Again.

   Ein Höhepunkt des Festivals ist der Konzertzyklus von La Monte Young (Foto) gemeinsam mit dem The Just Alap Raga Ensemble. Der US-Amerikaner prägte die musikalische Seite der Fluxus-Bewegung und darf als Gründervater der Minimal Music gesehen werden. In den frühen 1960ern entwarf er mit seiner Frau Marian Zazeela das Konzept des Dream House, einer harmonischen Raum- und Klanginstallation mit einem fortwährenden gespielten Musikstück. Von heute, dem 20. März, bis zum 1. April wird der Saal der Villa Elisabeth – dank Zazeelas Installation Dream Light – zu eben jenem Dream House, in denen Young und Ensemble heute sowie am Samstag, dem 24 und 31. März, auftreten werden; jeweils zu Ehren seines 1996 verstorbenen Spirtus rectors Pandit Pran Nath. Der Zyklus wird am 7. April im ZKM, Karlsruhe, und 14. April bei Kunst im Regenbogenstadl, Polling, fortgesetzt.

   Das gesamte Programm der MaerzMusik 2012 – mit weiteren Konzerten von Annie Gosfield, zeitkratzer, Elliott Sharp, Bob Ashley u.w. – findet sich hier, Karten können online hier erworben werden. Weitere Gedanken zu La Monte Young finden sich nachfolgend in Form eines Auszugs aus dem aktuellen Spex-Vorspiel mit Jason Pierce von Spiritualized. Diesem hatten Ralf Krämer und Johannes von Weizsäcker nämlich auch Dream House 78’17’’ vorgesetzt. Das ganze Vorspiel, in dem auch der Pop-Ansatz auf des neuen Spiritualized-Albums Sweet Heart Sweet Light thematisiert wird und Pierce erklärt, unter welchen Umständen Kirchenmusik »fucking beautiful« sein kann, ist in Spex #337 nachzulesen.

   An dieser Stelle auch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: In letzter Minute hatte Jason Pierce den Radio-Mix des neuen Spiritualized-Songs Hey Jane von der Spex-CD #101 zurückgezogen. Versäumt haben wir, den Namen Spiritualized aus der CD-Ankündigung auf dem Cover von Spex #337 zu tilgen. Wir bitten um Entschuldigung. Zu Hey Jane ist heute ebenfalls ein Video von Regisseur AG Rojas erschienen, das sich, wenngleich klischeereich, am Portrait des Alltagslebens einer Drag Queen versucht und weiter unten gesehen werden kann.

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La Monte Young
Dream House 78’17’’

Hochgeladen am 17.12.10

Zu der Musik, die man ohne Hilfe des Internets heute kaum mehr entdecken könnte, gehört die LP von La Monte young und Marian Zazeela: The Theatre Of Eternal Music – Dream House 78’17’’. Sie erschien 1974. Die A-Seite wurde unter verkürztem Namen auf Youtube hochgeladen. eine befremdliche, frühe Drone-Musik …
JASON PIERCE:   Vor etwa zwanzig Jahren habe ich in New York hin und wieder bei einem Freund in der 17. Straße gewohnt. Eines Tages kam jemand vorbei und sagte: »Lass uns zum Dream House gehen«. Als wir dort ankamen, stellte sich das als Musikinstallation von La Monte Young heraus. Sie war so eingerichtet, dass sie bis zum Ende des Millenniums laufen sollte. Es war ein unfassbar mikrotonales Stück. Es erinnerte mich ein bisschen an die Band Suicide, aber es war viel komplexer. Man musste nur seinen Kopf ein wenig drehen und schon nahm man ganz andere Töne wahr. Es war die überwältigende Realisierung einer einzigartigen Vision – und dabei sehr einfach und direkt. So etwas macht immer den stärksten Eindruck beim Zuhörer. Wenn die Dinge zu komplex werden, nicht nur tonal, sondern auch in den Songtexten … Ich denke immer: Rock’n’Roll ist die Musik, die ich wirklich liebe, und die Musik, die ich sonst noch liebe, muss so einfach sein wie Rock’n’Roll. Was zu kompliziert ist, interessiert mich nicht.

La Monte Young, der zu den prägenden, klassisch geschulten Pionieren der Minimal Music gehört, scheint selbst allerdings nichts von einem Rock’n’Roller zu haben. Er wirkt immer eher wie ein Guru.
   Wir haben La Monte Young erst über The Velvet Underground kennengelernt, die stark von ihm beeinflusst waren. »La Monte Young ist Rock’n’Roll« – für mich macht das Sinn, weil es eben Rock’n’Roller waren, die mich mit ihm gefüttert haben.

In einem früheren Interview mit Spex haben Sie von einem Tribute-Konzert für La Monte Young erzählt, in dessen vorfeld sich Ihre damalige Band aufgelöst haben soll …
Keine Ahnung, wovon Sie sprechen. Sie verwirren mich.

Es heißt, sie hätten sich zerstritten, weil Ihre Mitmusiker nicht einsahen, warum sie umsonst bei diesem Konzert auftreten sollten …
   Spacemen 3 hatten mal ein Konzert in einem Kinofoyer. Damals experimentierten wir mit Instrumenten, die nicht gerade zum traditionellen Rock’n’Roll­-Set gehörten: Es gab eine Saz und eine Sitar. Eine Aufnahme davon hat später irgendein Plattenlabelbesitzer unter dem Titel A Tribute To La Monte Young herausgebracht. Er hielt das wohl für einen passenden Titel. ich glaube, er kam aus Wales. Aber dass sich die Band deswegen aufgelöst haben soll, wäre mir neu.

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Video — Spiritualized Hey Jane — Mehr Videos bei tape.tv!


Videoexzerpt — Werner Dafeldecker & Valerio Tricoli Williams Mix Extended

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