Mac DeMarco Another One

Da hing noch was zwischen den Zähnen: Mac DeMarco reitet die Erfolgswelle souverän mit Another One.

Es folgt eine lückenlose Auflistung der Dinge, die Mac DeMarco in seiner dreijährigen Mac-DeMarco-Karriere gemacht hat: zwei Alben, zwei EPs, ein Mixtape, ein heimliches Cover des König-der-Löwen-Lieds und einen Zigarettenwerbejangle an der Grenze zur Volksverführung. Der erleuchtete Don Draper des Mad-Men-Finales hätte das auch nicht fluffiger hinbekommen, aber für den galt ja eh immer: Rauchen geil, Tabakwerbung ist nicht.

Schon zu dieser Liste gehört mindestens ein potenzieller Karrierekiller, aber hey, es geht noch weiter. In Mac DeMarcos Band spielen nur Musiker, die aussehen, als würden sie Bifis essen (der Bassist sieht sogar aus wie ein Bifi). Mac DeMarco ist eine Stilikone, man kann es nicht anders sagen, alleinverantwortlich dafür, dass labbrige Schirmmützen durch ganz Neukölln fliegen, weil sie den Rennradfahrern vom Kopf geweht wurden (und seine Latzhose wird sich auch noch durchsetzen).

Mac DeMarco ist außerdem Indie-Madonna (Zahnlücke, Erotik etc.) und Anti-Madonna (man muss immer den vollen Namen schreiben) zugleich. Er lebt in der öffentlichsten Beziehung diesseits von Kimye, und die meisten Männer wissen mehr über seinen Penis als über ihren eigenen Penis (Spoiler alert: klein, aber o-fucking-ho).

Wir haben es also mit einer neuen Art von Popstar zu tun, und wie immer, wenn so was passiert, ist das schwer zu erklären. Was finden die Leute an Mac DeMarco? Er hat sweete Liebeslieder (süß trifft es nicht ganz), die wahrscheinlich nicht mal den Menschen wehtun, über die er sie singt. Er ist gelebte Erste-Welt-Problematik, die Harmlosigkeit in Person, ein Mad-Heftchen auf zwei Beinen, und er spielt Gitarre wie Mark Knopfer nach drei Stunden im Kettenkarussell. Außerdem schreibt er, wie viele gute Popstars, im Großen und Ganzen immer den gleichen Song. Wer könnte Mac DeMarco also nicht mögen?

Nun erscheint Another One, dessen Titel, wie stets bei Mac DeMarco, alles hält, was er verspricht. Acht neue Songs, die vermutlich aus den Sessions zum 2014er Album Salad Days übrig sind, aufgenommen mit seiner Band, die hörbar auf Tour war im letzten Jahr. Vor allem der Bassist versteht es inzwischen, Mac DeMarcos wabbelige Gitarrenmotive kongenial zu umspielen, aber auch die anderen Bifis sind auf der Höhe des Geschehens.

Die unterschwellige Geknicktheit von Salad Days setzt sich fort, ohne in echte Traurigkeit umzuschlagen. Es ist schlimm – beim Warten auf Sie, ohne ein Herz wie Ihres –, aber es ist auch nicht so schlimm. Nach dem letzten Song sagt Mac DeMarco seine Adresse am Ende der New Yorker U-Bahn und lädt alle, die Bock haben, zum Kaffee ein. Guter Deal, oder? Niemand braucht diese Musik, aber jeder kann sie hunderttausendmal hören.

Mac DeMarco live
17.09. – Köln – Gebäude 9
18.09. – Berlin – Postbahnhof
25.09. Hamburg – Reeperbahn Festival

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