M.E.S.H. „Hesaitix“ / Review

Reaktion auf reaktionäre Tendenzen, die sich als zielgruppenfürchtiges business as usual in vielen Clubs ausgebreitet haben – hat M.E.S.H. eine Blaupause für die Zukunft des Feierns geliefert?

Eigentlich sind dieser Tage goldene Zeiten für elektronische Musiker. Nicht zuletzt, weil sich die Artikulationsformen für zweckfrei organisierte Luftschwingungen immer weiter ausdifferenzieren – inzwischen kann man sogar vieles von dem, was früher bloß für konzentriertes Kopfhörerlauschen geeignet schien, auf der Tanzfläche wiederfinden. Das gilt auch für die Musik aus dem Umfeld von Pan Records. Nicht alles, was das Berliner Label veröffentlicht, animiert wirklich zum Tanzen, doch gerade das ist Teil seiner Mission: eine Reaktion auf reaktionäre Tendenzen, die sich als zielgruppenfürchtiges business as usual in vielen Clubs ausgebreitet haben.

„And when we wanted to surf / They took the wave“.

Beim ebenfalls in Berlin lebenden Produzenten James Whipple alias M.E.S.H. ist so eine übermütige Übernahme des Clubgeschehens zu beobachten. Nach seinem vorwiegend abstrakt und unberechenbar gehaltenen Debütalbum Piteous Gate vor zwei Jahren geht er diesmal rhythmisch strukturierter zu Werke, ohne seine Erkundungsmission aus dem Blick zu verlieren. Hesaitix ist ein Angebot an jene Sorte Clubmusik, die Wiederholung und Beat in immer neue Richtungen erprobt. Der House- und Techno-Orthodoxie einer gleichmäßig geschlagenen Vier-Viertel-Routine mag sich diese Musik nicht anschließen. Womit sich M.E.S.H. eventuell dem Vorwurf aussetzt, dass seine Alternative auf die Füße und den restlichen Körper nur begrenzt Rücksicht nimmt, während sich das klassische four on the floor als kulturelle Praxis bewährt hat.

Wobei das eine das andere ja nicht ausschließen muss. Ob M.E.S.H. jetzt eine Blaupause für die Zukunft des Feierns geliefert hat oder nicht, wird man ohnehin erst später mit Sicherheit gewusst haben können. Wichtiger ist: Seine Ansätze klingen überhaupt nicht nach konstruierter Bevormundung von bewegungswilligen Körpern, sondern wissen in ihrer neuen Übersichtlichkeit genauso zu gefallen wie den Geist anzuregen. Mehr kann man erst einmal nicht erwarten.

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