Louis XIV

Hochmut kommt vor dem Fall. Altes Sprichwort, zuweilen treffend genau. Wer sein Album von Streicher-Arrangements einleiten lässt, der will herzeigen. Der Fall Louis XIV scheint klar: die Referenz zum Absolutismus gleich im Namen, das Spiel mit der Sexualität und die eingangs erwähnte Cello-Opulenz im ersten selbstbetitelten Song. »Me me me me, is all you say that I care about / Me me me me, is all I ever wanna talk about«. Jason Hill weiß seine Stimme zu nutzen. Ganz im Stile der frühen Stones, von T.Rex und The Fall oder aber – um kurz wieder im Hier und Jetzt zu landen – in bester Art Brut-Tradition. Nur dass hier nicht über Rock’n’Roll und das Musik-Business geschimpft wird, sondern eben über Sex und Frauen und was daneben dann noch so anfällt. Ob gerade dies der Grund dafür war, dass die vier Kalifornier zuerst im liberalen San Diego und später in – klar – Los Angeles übergroß gefeiert wurden? Ohne die enge Verknüpfung von Sex-Themen und Rock’n’Roll-, Punk- als auch Britpop-Elementen wäre die Band im prüden White America sicherlich nicht so schnell so groß geworden. Okay, die The Killers-Tour mag auch ausschlaggebend gewesen sein. Oder die musikalische Nähe zu eingängigen Bands wie Mando Diao oder eben Art Brut. Und dann sind da hitverdächtige Stücke wie »Finding Out True Love Is Blind«, »Louis XIV«, »Illegal Tender« oder die letzte Single »Paper Doll«. Letzteres bekam eine besondere Art von Promo: Art-Porn-Regisseur Eon McKai nahm ein Video mit Models von suicidegirls.com auf, dieses wurde auf eben jener Seite veröffentlicht und damit sofort zum Erfolg. Dass es bei derart viel nackter Haut nicht bei MTV lief, muss man wohl nicht erklären.
    Sex & Pop: ein umstrittenes Thema. Sex & Rock: ein oft gezeichnetes Klischee. »The Best Little Secrets Are Kept« ist aber ein musikalisch einwandfreies Album mit vielen Hits. Absolutismus-Rock galore!

LABEL: Atlantic Records

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 18.11.2005

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