Locas In Love Use Your Illusion 3 & 4

Neues von der Hört-sich-an-wie-Band: Locas In Love liefern mit dem Doppelalbum Use Your Illusion 3 & 4 eine weitere Zitatschlacht.

Man kann sich die Versuchsanordnung wie folgt vorstellen: Leidlich bekannte, aber umso beflissenere deutsche Indieband plant anlässlich ihres Majorlabel-Debüts die parallele Veröffentlichung zweier Doppelalben und benennt sie nach den Klassikern des Formats Use Your Illusion 1 und Use Your Illusion 2. Doch irgendetwas ist da schiefgelaufen beim konzeptuellen Coup von Locas In Love: Nicht nur ist aus zwölf Songs und elf Instrumentals lediglich eine herkömmliche, formal brav voneinander getrennte Doppel-CD geworden, auch handelt es sich mitnichten um eine Hommage an die genretranszendierende Leistungsschau, mit der Guns N’ Roses vor fast 25 Jahren einen kreativen Kraftakt sondergleichen hingelegt und gleichzeitig ihren eigenen Niedergang eingeläutet haben. Was also will uns der Titel sagen?

Nun ist das clevere Kölner Trio in der Vergangenheit nicht gerade durch Zurückhaltung aufgefallen, wenn es um den Umgang mit Zitaten ging. Vielmehr bedient man sich bis heute mit vollen Händen bei Versatzstücken der jüngeren Musikgeschichte, und wer die Verweise nicht versteht, bekommt sie via Promo-Waschzettel mitgeliefert. So auch beim neuesten Werk: Sonic Youth, Pavement, Cocteau Twins, Stereolab, The Velvet Underground, The National, Sonny & Cher, Neu!, Goblin, The Feelies, Young Marble Giants, Wendy Carlos und Mogwai – so weit, so wahllos.

Aber diesmal scheint das fröhliche Referenzenraten nicht ganz aufzugehen: Statt sich weiter mit ihrem coolen pophistorischen Wissen schmücken zu können, erscheinen Locas In Love noch deutlicher als das, was sie schon immer waren: eine Hört-sich-an-wie-Band, deren Zitatfreude sie immer auch davor bewahrt hat, einen eigenen Stil entwickeln zu müssen. Vielmehr hält es die Band weiter mit einem skizzenhaften, wenig ausformulierten Sound, dem man – garniert mit Befindlichkeitstexten, die sich im nöligen WG-Küchen-Ton um die ewig gleichen Themen Beziehung, Staat, Kapitalismus drehen – eine gewisse hermetische Drolligkeit nicht absprechen kann.

Doch wo der postmoderne Zugriff auf die Popgeschichte zum bloßen Selbstzweck gerinnt und Nachgeborenen nur noch als dekadente Spiegelfläche für die eigenen privaten Problemchen dient, wird auch die schönste Zitateschlacht bald fad. Und erscheint als zutiefst anmaßendes Unterfangen, als ach so ironisches Lustigmachen über die Eskapaden einer vergangenen Ära, die angesichts der Klein-klein-Mentalität ihrer Epigonen umso glamouröser und begehrenswerter wirkt. Die notorische Bezugnahme von Locas In Love und anderen Vertretern des verschrobenen LoFi-Pop der Nullerjahre führt dazu, dass ihr Metier noch gestriger und antiquierter wirkt als der Heavy-Kuschelrock der Neunziger, auf den sich diese Platte so verzweifelt bezieht. Wenn W. Axl Rose seinen Lebensabend immerhin in Las Vegas verbringen kann, wird Acts wie Locas In Love zumindest dieses vermeintliche Happy End erspart bleiben.

1 KOMMENTAR

  1. Genre-transzendierende Leistungsschau? Von der Anachronismus-Band Guns’n Roses. Das war damals lahm und heute ist das immer noch. Die Leistungsschau kam von Nirvana. Außerdem ist es ganz gemein so böse über die lieben Locas zu schreiben. Das wollte ich nur mal sagen.

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