Review & Stream: Little Dragon Nabuma Rubberband

Nabuma Rubberband

LITTLE DRAGON
NABUMA RUBBERBAND
BECAUSE / WARNER
ALBUM – 09.05.2014

Alle wollten zuletzt ein Stück von Little Dragon und Yukimi Nagano abhaben. Jetzt legt die Band den nächsten, grazil verballerten Brocken vor: Die Rezension & der Stream zu ihrem neuen Album Nabuma Rubberband.

»There’s a place called away, it’s better«, singt Yukimi Nagano nach einer knappen halben Stunde dieser – um es kurz zu machen – famosen Platte. Es ist die vierte ihrer Band Little Dragon, und wohin es sie zieht, kann man auch nach knapp zehn Jahren der verblendeten Vertrautheit nur erahnen: Das Unbestimmte ihrer Sehnsucht, ihre aufreizende, kokette Unentschlossenheit hat Yukimi & The Jungs stets besonders gemacht. Eines aber lässt sich mit Gewissheit sagen über Nabuma Rubberband, das erneut voll ist von Ansätzen, Zitaten, Kehrtwenden, voller noch als all seine Vorgänger: Das Verlangen nach Flucht ist ein Leitmotiv.

Nach dem überraschenden Erfolg von Ritual Union im Jahr 2011 wollten alle ein bisschen an Little Dragon zerren. Besonders Nagano wurde ausgiebig begrapscht und besiedelt. Von Indie-Mädels und der Dance-Intelligenzija. Von Drake und Big Boi und Machine Gun Kelly. Und irgendwann sogar von der explodierenden EDM-Industrie auf der verzweifelten Suche nach Arena-tauglichen Live-Acts. Sie hat das locker ausgehalten, mit ihrer seltenen Gabe, unnachgiebig sie selbst zu sein und den Menschen damit nur noch mehr das Gefühl zu geben, dass sie ihr nahe sein dürfen. Diese schlaue Bockigkeit blitzt auf Nabuma Rubberband in jedem Moment durch.

Die Rolle als unwahrscheinlicher Popstar einer unwahrscheinlichen Zeit hat Nagano selbstbewusst angenommen. Gleichzeitig brechen Little Dragon vorsichtig mit ihrer liebgewonnenen Soundästhetik zwischen Strandbar und Stratosphäre. »Pretty Girls« und »Paris« sind charmante, klassisch arrangierte Popsongs, die klingen, wie sie heißen. Unter »Underbart« trommelt ein Fake-Pharrell-Groove. Die Vorabsingle »Klapp Klapp« wirkt wie ein Merkzettel, dass man all das Synthiespielzeug, das in dem gold gestrichenen Studiohaus in Göteborg lagert, auch mal wieder benutzen sollte.

Die Musik spielt hier, ähnlich der öffentlichen Wahrnehmung der Band, auf zwei Ebenen. Da ist das instrumentale Fundament der Kumpels Erik, Fredrik und Håkan, die mit ihrer Mischung aus kauziger Krautigkeit und einer sehr selbstverständlichen Stilsicherheit lässig alle Schwedenklischees wegfrühstücken. Und da ist, irgendwo anders, darüber, die Stimme. Die Stimme. Die Little-Dragon-Stimme. Am besten ist Nabuma Rubberband immer dann, wenn sich Nagano gleichsam unmerklich vom Boden löst, wenn sie so knapp über dem Beat schwebt, dass man nicht mit Bestimmtheit zu sagen vermag, ob einen die Sinne im Stich lassen oder sie tatsächlich etwas anderes hört als wir Normalsterblichen. Diese Schwerelosigkeit, sagt sie, hat sie sich bei »Janet Jackson slow jams« abgekuckt. Das ist eine hübsche Geschichte, die durch grazil verballerte Soulstücke wie »Cat Rider« greifbaren Gehalt gewinnt. Trotzdem hat die Platte nichts zu tun mit der Schwemme an seelen- und grundlosen R’n’B-Emulationen, für die Little Dragon zumindest mitverantwortlich sind. Das liegt an kleinen Ideen wie zum Beispiel der späten, strammen Kickdrum in »Only One«. Vor allem aber liegt es an ihrer Aufrichtigkeit.

Nabuma Rubberband gibt es derzeit auf Neon.de im Stream zu hören. Weitere ebenfalls am Freitag erscheinende Alben: The Black Keys Turn Blue, Fatima Al Qadiri Asiatisch, Swans To Be Kind.