Liima »ii« / Review

Kurzzeitige Entschädigung für Efterklang-Fans: ii bricht zum Ende ein und bleibt hinter Piramida zurück.

Gardinen, die aus zerschlagenen Fensterscheiben wehen, Pflanzen, die sich ihren Weg in Wohnstuben bahnen, zwischen maroden Holzfenstern hervorbrechende Lichtstrahlen. Solche Bilder von morbidem Industriecharme und der Erhabenheit der Natur lassen sich in der verlassenen Bergarbeitersiedlung Pyramiden auf Spitzbergen einfangen. Die dänische Band Efterklang reiste einst auf die Insel, sammelte dort, was ihnen an Geräuschen vor die Mikrofone kam, und bastelte aus den Aufnahmen das opulente Konzeptalbum Piramida. Das Projekt Liima um drei Efterklang-Mitglieder und den finnischen Perkussionisten Tatu Rönkkö wählt nun auf seinem Debüt einen ähnlich naturbezogenen Zugang.

Es passiert wenig Zwingendes, das überzeugen könnte, länger zuzuhören.

ii wurde im Rahmen von vier je einwöchigen Aufenthalten in Finnland, Berlin, Istanbul und auf Madeira geschrieben und aufgenommen. Die Stationen haben den Klang des Albums geprägt. Während sich auf Piramida Perkussion höchstens auf Zehenspitzen andeutete, spielt sie hier eine tragende Rolle. Aus klackernden elektronischen Hintergrundgeräuschen und düster wabernden Synthesizerklängen baut sich der Opener »Your Heart« auf, stimmig kontrastiert durch die weiche Stimme von Sänger Casper Clausen.

Liima setzen auf ein reduziertes Instrumentarium: Synthesizer, Drum-Samples, Gesang, Bass. Dadurch gelingt es der Band, eine im Vergleich zu Efterklang vollkommen neue kreative Dynamik zu etablieren. Trotzdem begeistert dieses dezimierte Klanggebilde nicht vollkommen. Zu häufig wiederholen sich Motive und Soundeffekte, es passiert wenig Zwingendes, das überzeugen könnte, länger zuzuhören. Auch der naturbezogene Ansatz der field recordings wird kaum hörbar genutzt. Zweifellos enthält ii einige herausragende Momente, vor allem den grandiosen Basslauf in »Trains In The Dark« oder die trippigen Electronica-Rhythmen in »Roger Waters«, doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ii zum Ende einbricht und hinter Piramida zurückbleibt. Doch als kurzzeitige Entschädigung für Efterklang-Verehrer taugen Liima allemal.

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