Kristin Hersh

Da mag die Kristin sich noch so kratzeschrubbender Streicher bedienen und jede Ahnung romantischer Behaglichkeit noisig verballhornen: ihre rauchige Stimme bleibt das wichtigste, tangierendste, tragendste Element ihrer Musik. Ein Schreddern, das jede falsche Dramaqueen mit schlechtem Gewissen strafen muss, eine Wucht, deren Obertöne von Verletzlichkeit und unterhäutiger Intimität nur ein weiterer Verzerrer in diesem Sack der Unruhe sind. »Learn to sing like a star« ist ein durchweg unerträgliches Album geworden. Migräne, Depression und Bettlägerigkeit fassen sich darauf an den klammen Händen und fügen sich zum herbstlaubfarbenen Reigen rund um den brennenden Strohmann »Leben«. Und sie singt dazu in erhabener Trauer: »Could you ever live in a house? Could you ever live in a body? Just chicken I guess.« – Diese Songs, die völlig an der Saison vorbei hereinschneien, lassen die frisch erblühten Kroküsschen in sich zusammenfallen. Selten (zum Glück!) hat Befindlichkeitsgeschrammel so authentisch geklungen. Selten kommt Melancholie auf der Schwelle zum Schmerz so ungeschönt daher, wie es ihrer wahren Natur jenseits kokett-morbider Selbstinszenierung entspricht. Klavier, Cello, Gitarre und Stimme imitieren einander und keines vermag das leidvoll klingende Andere zu relativieren, ihm den Schrecken zu nehmen, Harmonie zu simulieren. Überaus erbauend ist, dass Indie-Ikone und Nischenliebling Hersh sich im Zuge des Älterwerdens nicht zu frivolen Poprock-Belanglosigkeiten verführen ließ wie etwa Ära-Kollegin Liz Phair. Erfahrung macht eben nicht glücklicher, und so ist dieses verflixte siebte Album eine Wohltat für alle ewig Unzufriedenen, Labilen und Aufgedröselten, die dennoch nicht darauf verzichten wollen, es im Rahmen ihrer spöden Gefühlswelt, uncatchy wie das Leben selbst, krachen zu lassen.

LABEL: 4AD / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 23.02.2007

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