Kommando Sonne-Nmilch Jamaica

Die geniale Beknacktheit von Kommando Sonne-nmilch hat jetzt ein ganz neues Level erreicht. Bis vor kurzem stand das Faktotum Jens Rachut nach der Auflösung von Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle und anderen deutschen Großbands hauptsächlich Oma Hans vor, das Kommando galt lediglich als eine weitere Skurrilität aus dem Rachut-Paralleluniversum, das vom nun leider abgerissenen Hauptquartier Schiffen aus nicht die Charts zu knacken vermochte. Vielleicht wird es jetzt was. Tobias Levin hat produziert, die Platte erscheint auf dem Label von Daniel Richter, nach dem Ende von Oma Hans ist das Kommando die unumstrittene Erstband Rachuts und außerdem: der Mann ist sowieso auf dem Weg nach ganz oben. Erste Erwähnungen in der FAS gab es bereits, Volksbühnenschauspieler ist er, Hörbuch-Vorleser, Hörspielerdichter, ein Mann perfekt fürs Feuilleton. Fehlt nur noch die Tour mit Tocotronic, dann wird Rachut der Zuschreibung ›Kult‹ auch außerhalb Kreuzbergs und St. Paulis nicht mehr entkommen können. Deutschland hätte ja auch gerne seinen Mark E. Smith, einen dauernd schlecht gelaunten Berufszyniker, der komisches Zeugs zusammennuschelt, das kein Mensch versteht, wofür er dann grenzenlos als der letzte Unbeugsame in einer angepassten Umgebung geliebt wird. Jens Rachut bekommt hiermit diesen Posten hochoffi ziell überreicht.

    »Jamaica« ist natürlich genau das Werk, das wir uns von ihm gewünscht haben. Im Inlay der CD gibt es ein Rezept zur Zubereitung von Krapfen, damit man, falls einem die dazu dargereichte Musik wider Erwarten nicht taugen sollte, wenigstens nicht Hunger leiden muss. Und das unbeschreibliche Cover gehört unbedingt in die Top Ten der unbeschreiblichen Plattencover. So haben wir uns Jamaica jedenfalls bislang nicht vorgestellt.

    Oma Hans hat auch, was die musikalische Ausrichtung auf saustumpfen Deutschpunk anbelangt, ganz platt gesagt: das Kommando übernommen. Mit nicht einmal drei Akkorden geht hier die Post ab, so dass vor allem Berufspogotänzer auf ihre Kosten kommen. Tobias Levin beweist einmal mehr, dass er an einer Band das optimiert, was in ihr steckt, und eben keine Produzentenmaschine ist. Und Rachut, ja, der leistet nichts weniger, als sämtlichen Fußgängerzonenpunks der Republik ihre Würde zurück zu geben.

LABEL: Buback

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 27.07.2007

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