Kings Of Leon Aha Shake Heartbreak

Wow. Also damit habe zumindest ich überhaupt nicht gerechnet: Das zweite Album des Clans aus Nashville, TN, gibt sich mal eben, als hätte es den Vorgänger gar nicht gegeben. Oder zumindest, als wäre »Youth & Young Manhood« nur ein fiebriger pubertärer Traum gewesen. Nahezu verschwunden sind sie, die vielbeschworenen Southern Rock-Ovationen.

    Stattdessen begeistern sich Caleb und Matthew im Interview lautstark für Television und das neue Interpol-Album. Erstere klingen dann auch in jedem zweiten Song immer wieder deutlich an, was die Kings gelegentlich recht nah an The Strokes rückt (nur im Gegensatz zu den New Yorkern scheint hier jemand tatsächlich ganz bewusst Tom Verlaines Spiel studiert zu haben). Sogar bedenklich nah, wäre da nicht Caleb »ich krieg die Zähne nicht auseinander« Followills markantes Genöle, diese verstörenden düsteren Breaks, welche die Tracks immer wieder fast auseinander brechen lassen und die knochentrockenen Postpunk- und Wave-Reminiszenzen – wie der gerne mal Wire und Joy Division zitierende Bass oder der holzbeinige Offbeat von »Razz«. Doch »Aha Shake Heartbreak« geht in Sachen Referenzen deutlich weiter, als es The Strokes jemals versucht haben: neben Sixties-Garage-Rock trifft man auf Latinorhythmen, Verbeugungen vor Yodel-Bluegrass, textliche Verweise auf Gospel, auf Country-Slides, 50s Teenbeat-Chöre und dann schließlich doch immer wieder mal auf für Sekunden angedeutete Verbeugungen vor den großen Southern-Helden CCR und Allman Brothers Band (»Milk«).

    Wenig davon wird ausformuliert, das meiste bleibt Skizze, Bruchstück unter Bruchstücken – und doch ergibt die Summe der einzelnen Teile eine Platte, die letztendlich aufgrund der zahlreichen herrlich unrunden Arrangements wie durch Zauberhand rund erscheint. Tolles Album.

LABEL: RCA

VERTRIEB: BMG

VÖ: 01.11.2004

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