King Khan & The Shrines What Is?!

»Please, please don’t go« bettelt der imaginäre Backgroundchor gleich 14 Mal den Godfather of Kanadisch-Kasslerischem Soul und jedes Mal taucht er auf, nicht nur mit dem weißen Handtuch im verschwitzen Nacken, sondern jeweils frisch geduscht, als würde es keinen Abend geben. Wer allerdings geglaubt hat, hinter dem Titel »What Is?!« stünde eine lautmalerische Reminiszenz an ein Provinzidiom sieht sich enttäuscht. Das Reich des Kings mit indischen Wurzeln bleibt eines von der anderen Seite des Teiches, wenn man von der Französisch gesungenen Chanson-Replik »Le fils de Jacques Dutronc« einmal absieht. Übrigens wird dabei nicht so weit gegangen auch Dutroncs fragilere Hälfte Francois Hardy in den Kreis der Einflüsse aufzunehmen. Wenn hier mal auf die Bremse getreten wird, schmeckt der Song nach Räucherstäbchen, heißt »Fear And Love« und klingt nicht nach Folkpop, eher wie Allen Ginsbergs Squeeze Box, mit Klanghölzchenrhythmus. Khan litaneit darüber »Earth and Fire / Washed away by tamed desire«. Das lässt sich der 30 Jahre junge Neo-Voodo-Hippie nicht zweimal sagen und treibt seine Shrines ansonsten in großer Besetzung durch Tracks wie »I See Lights« und »No Regrets« auf dem Highway nach Memphis und Detroit, in den Spuren von Screaming Jay Hawkins, Sly Stone und ja, den Doors: Schwindel erregenden Psychedeliclines, die mal von der Hammondorgel oder gar einer dezenten Sitar stammen. Ganz vorne dabei: das Geblase! Saxs aller Arten vereinen sich – zeitweilig sogar mit einem Dudelsack – was mächtig nach vorne geht und nur einmal nach hinten. Die »Cosmic Serenade« ist zwar atmosphärisch, aber doch ein bisschen zu monoton arrangiert, um dem mit lakonischen Vocals angestrebten Zappavergleich standzuhalten.
    Ansonsten: ein trefflich wildes Retrobiest.

LABEL: Hazelwood Vinyl Plastics

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 11.05.2007

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