She Keeps Bees Eight Houses

Hinter She Keeps Bees verbirgt sich die Musikerin Jessica Larrabee. Auf ihrem Album Eight Houses singt sie einem mitten ins Gesicht beziehungsweise ins Gehirn – und trifft.

Kein Genre kann so kraftvoll leiden wie der Blues, ohne auch nur einen Funken von Aufgesetztheit zu provozieren. Es wäre zu untersuchen, warum gerade eine Musikrichtung, die sich sehr weit ausdifferenziert hat, die so bekennendermaßen auf Wurzeln, Schmerz und Weitermachen verweist, derart selten unter Authentizitätsverdacht gerät. Aus dem Reigen all der Abwandlungen und Referenzen wissen immer noch vor allem die sogenannten, meist aus- und mittlerweile wieder eingewanderten australischen Swamp-Blues-Versionen zu gefallen: Hugo Race, Simon Bonney, Rowland S. Howard, Gallon Drunk und kultürlich Nick Cave auf der einen Seite sowie andererseits mülltonnige Adaptionen wie bei The Jon Spencer Blues Explosion, The Kills oder Jack White. Aber auch ruhigere und weitere Anspielungen etwa bei PJ Harvey oder Cat Power können Tränen des Mitleidens auslösen.

Man vermag kaum zu sagen, ob es nicht auch eine zumindest virtuelle geschlechterrollenspezifische Rolle spielt, wenn eben Cat Power oder Jessica Larrabee von She Keeps Bees aus Brooklyn klagen. Als Zuhörender und aufgrund der eigenen Enttäuschungen, die man verursacht oder auch erfahren hat, eine imaginative Partnerin, Geliebte, Unerreichbare singen zu hören, scheint noch emotionalisierender zu sein, als nur einen Weggefährten weinen zu hören. Denn während Letzterer quasi parallel jammert, singt einem Larrabee mitten ins Gesicht beziehungsweise ins Gehirn und trifft mit einem Song wie »Owl« ins Zentrum aller möglichen, eher dunklen Assoziationen.

Das kann ja Katharsis bedeuten. Je mehr Blues-Trost, umso weniger Melancholie im Leben, also keine Panik. Jessica Larrabee und Schlagzeuger Andy LaPlant haben dieses aufbauende Herunterziehen nahezu perfektioniert. Reduziert, abgespeckt, ausgemergelt und doch kraftvoll beschwören She Keeps Bees mit »Greasy Grass« auch schon mal die frühen Spacemen 3 herauf. Wolken ziehen auf, und der letzte Song nennt sich: »Is What It Is«.

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