Musik – Vorschub

Der Beat der Menschheit

BARBARA PANTHER erklärt auf ihrem Debütalbum ihre Souveränität

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barbara-panther-moonlightpeople-video»Herkunft wird überschätzt«, sagt BARBARA PANTHER und verschweigt aus diesem Grund Details aus ihrem Lebenslauf genauso konsequent wie ihr Geburtsdatum. »Alter ist nicht wichtig«, erklärt sie knapp. Nur so viel lässt sie wissen: Sie wurde in Ruanda geboren, wuchs in Brüssel auf und ist seit fünf Jahren Berlinerin – wobei all diese Orte keinen größeren Einfluss auf sie ausübten »als das, was gerade sonst auf der Welt passiert«.                            

 
 

Jeder Kuss ist einer zuviel

Chuckamuck

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Chuckamuck Lars Borges Spex #331Chuckamuck haben es drauf. Nonchalant spielen sie ihren Garagenpunk, der manchmal auch nach Beat klingt. Sie schmeißen mit Melodien um sich, schreiben Songs mit viel Oh-oh-oh und Ah-ah-oh-oh-oh, bearbeiten Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren mit Drive und Gefühl.                            

 
 

Eine Bitch namens Leben

Anna Calvi

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Anna Calvi Artikel Spex #330 TeaserAufwachen nach dem »Blackout«, im »Morning Light«, eben noch »First We Kiss« geträumt haben, und nun: das Gefühl, dass gestern wesentliche Grenzen überschritten worden sind. Solcherlei Verzauberung steckt in den Songs des Debütalbums von Anna Calvi. Die 28-jährige Londonerin nimmt darauf die Perspektive einer wissenden Dame ein, die weit genug gegangen ist, um Wesentliches über sich und eine gewisse Bitch namens Leben vorzutragen. Nach einer Support-Tour für Grinderman sind ihre Konzerte im Februar restlos ausverkauft, im April kehrt sie aber bereits für weitere Shows nach Deutschland zurück.                            

 
 

Sorgfältig wackelnde Grooves

Tokimonsta

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Tokimonsta Promo TeaserMit Tokio hat ihr Künstlername Tokimonsta nichts zu tun. Zwar wird Jennifer Lee oft für eine Japanerin gehalten, doch für die erste Hälfte ihres Pseudonyms wählte die im kalifornischen Torrance im Bezirk Los Angeles geborene Korea-Amerikanerin einfach das koreanische Wort für Kaninchen – ›toki‹. Man muss deshalb auf ihrem Debütalbum »Midnight Menu« aber nicht gleich mit Niedlichkeitsterror rechnen.                            

 
 

Und es gibt noch eine dunkle Seite

The Drums

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The Drums Spex #327 Norman KonradBrian Wilson hasst den Strand, schon immer. Die vier Mitglieder der Drums inzwischen wohl auch. Seit »Let’s Go Surfing«, ihrem hymnisch-hysterischen Hit aus dem letzten Jahr, haben sie das Image der feucht-fröhlichen Beach-Popper weg. Ein Stigma, das die Brooklyner Band loswerden will.                            

 
 

Sex mit erhobener Faust

Men

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Men Frank Johannes Spex #327 VorschubDas Thema Regenbogenfamilie ist im Pop angekommen: »I’m gonna fuck my friends and get a little tiny baby«, singt JD Samson im Song »Credit Card Babie$« ihrer queeren Elektropop-Band Men. »Es geht um die Hürden, die dem Kinderwunsch von Lesben und Schwulen in den Weg gelegt werden«, sagt Samson und meint damit auch finanzielle Hürden. »Why don’t you adopt / Borrow someone’s cock«, heißt es in dem Song – schließlich gibt es billigere Wege, an ein Kind zu kommen, als für den Gegenwert eines Kleinwagens in der Samenbank shoppen zu gehen. Strategischer Sex mit schwulen Freunden zum Beispiel.                            

 
 

Eine seltsame Spannung

jj

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jj Malin Bernalt Spex326 Teaserjj sind vom ewigen Heilsversprechen des Pop zutiefst überzeugt: »Pop ist alles, was man liebt, auf einmal.« Zum Beispiel ein Butterflymesser, ein schwarzer Labrador oder brennende Fackeln. Oder Rauch, der anmutig aus dem Mund geblasen wird, oder Tränen aus Blut, die der einzige Farbtupfer im sonst so kühlen Schwarzweiß des Videos zur jj-Single »Let Go« sind. Eine seltsame Spannung durchzieht die Ästhetik, der sich das schwedische Duo, bestehend aus Elin Kastlander und Joakim Benon, bedient: Es gibt da das Reine und Helle – wie der Engelsflügel, der das Cover ihres neuen Albums »jj N° 3« ziert – und das Verstörende, das Messer und die Blutstropfen, die sich über weißen Grund verteilen.                            

 
 

Fünf, sechs Minuten ohne Kompromiss

Marcel Dettmann

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Spex 326 Marcel Dettmann Felix BroedeEine entwaffnendere Antwort als die des DJs und Produzenten Marcel Dettmann auf die Frage nach dem Reiz namen der vergangenen Wochen ist kaum denkbar: »Hegemann? Du meinst Dimitri, den Betreiber des Tresors?« Helene, die »Kleine mit dem Buch« kennt er nur aus den Nachrichten. Die Feuilleton-Wellen um seinen Stammclub Berghain sind an ihm zwar nicht völlig vorübergegangen, aber so richtig viel Aufmerksamkeit wollte er ihnen auch nicht schenken. Ansonsten hat er wichtigere Dinge im Kopf. Musikmachen zum Beispiel. Am 12. Mai spielt Dettmann im Rahmen von Spex Live neben Robyn, High Places, Aeroplane, Trevor Jackson u.v.a. im Berghain, Karten sind bereits im Vorverkauf erhältlich.                            

 
 

Zart Picken und quer bürsten

Kaki King

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Kaki King Spex325 Gregg DelmanDreißig Sekunden. Sie sagt, man brauche nur dreißig Sekunden, um zu wissen, ob man »Junior« lieben oder hassen wird. Diese Einschätzung mag bezeichnend sein für den Wendepunkt im Leben von Kaki King. Das fünfte Album der in New York lebenden Gitarristin jedenfalls markiert die wohl deutlichste Zäsur in ihrem Schaffen an und mit ihrem Instrument. Ab dem 18. März ist sie mit »Junior« auf Deutschland-Tournee, das Album kann man derzeit in Gänze streamen.                            

 
 

Zeitreise in synthetischer Klarheit

Cold Cave

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Cold Cave Eva Tuerbl Spex #324 TeaserDas Schreien hat ein Ende. Als würde der historische Übergang von Punk zu Wave als Blaupause für seine persönliche Entwicklung herhalten, hat Wesley Eisold aus Philadelphia dem Hardcore seiner früheren Bands Give Up The Ghost und Some Girls laut Servus gesagt. Nun singt (!) er richtig, zum Beispiel Zeilen wie »Look outside, world is exploding / Stay inside, so never knowing« im Titeltrack des Cold-Cave-Debütalbums »Love Comes Close«. Man versteht jedes Wort. Eine Melodie ist nicht nur erkennbar, sie wird durch ihre Wiederholungen sogar manifestiert. An die Stelle des Gitarrengewitters ist synthetische Klarheit aus Yamaha- und Casio-Keyboards getreten.                            

 
 

Spektakel aus Geschrei

HGich.T

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Marc fährt nachts Taxi, Sascha tagsüber LKW, Maike trägt Dreads und Paul hat seine Diplomarbeit in Mathematik über stochastische Attraktoren geschrieben. Was die Mitglieder von HGich.T gemein haben: Wenn sie mit ihren bis zu zehn Mitstreitern auftreten, kleiden sie sich in Mülljacken oder zeigen sich gleich ganz nackt.                            

 
 

Königin auf Planet Paprika

Miss Platnum

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Miss Platnum Spex #322 Norman Konrad TeaserMiss Platnum macht Ernst. Ihr neues Album »The Sweetest Hangover« ist eine R&B-Produktion der HiFi-Klasse – mit Mörder-Hooks und Hammer-Beats, die den Beyoncés und Rihannas dieser Welt Konkurrenz machen könnten. Doch die Berlinerin winkt ab: »Ich mag Beyoncé, aber tausendmal lieber höre ich mir die alten Sachen von Chaka Khan, Aretha Franklin und Erykah Badu an. Die hatten vielleicht nicht die fetten vorproduzierten Beats am Start – aber sie waren trotzdem ›edgy‹ und hatten was zu sagen.«                            

 
 

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