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Walter W. Wacht
Die französische Plattenfirma Record Makers feiert derzeit ihr zehnjähriges Bestehen, anlässlich dessen wir kurz »Joyeux Anniversaire!« ausrufen und anschließend auf die an Spex.de angeschlossenen Blogs verweisen möchten: Schon im Januar befragte unser Chef vom Dienst Martin Hossbach in seinem Blog »Recording Companies« die beiden Label-Betreiber Stephane Elfassi und Marc Teissier du Cros zu Herkunft und Bedeutung des Labelnamens. An anderer Stelle verwies Musikvideo-Blogger Moritz Schmall auf das neue durchgehend illustrierte und animierte Musikvideo zu Sebastien Telliers »Look«, welches wiederum die neue kostenlose Smartphone-App von Record Makers bewerben soll. Daneben gibt es zwei andere Apps, die auf der Musik französischer Produzenten beruhen.
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Walter W. Wacht
Promo gone wrong? Das Vierfach-X in Album-Titel und anderen jüngeren Songs der kanadischen Dance-Punk-Band You Say Party! We Say Die! soll als Platzhalter für »Love« stehen, dabei fühlt man sich unfreiwillig eher an die britische Hype-Band The XX erinnert, deren Album-Cover und Bandname seit rund einem Jahr nun wirklich an jeder Ecke des Internets, in nahezu allen Plattenregalen und in beinahe jedem Musikmedium Unterbringung fand. Aber betrachten wir »There is XXXX (Within My Heart)« und das neue Musikvideo der jungen Regisseurin Hill Kourkoutis dazu einfach ohne Referenz-Kasten:
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Walter W. Wacht
Ein gängiges musikjournalistisches Klischee ist das der Album-Spielzeit: Platten einer Spieldauer von knapp 30 Minuten Länge können – so das Klischee – nur Punks, ehemalige Punks oder astreine Popmusiker zustande bringen, jedenfalls muss die Anzahl der Songs überschaubar und die Musik schnell gespielt bzw. sagenhaft gut auskomponiert sein. Im Falle des schwedischen Duos jj und ihrem exakt 27:16 Minuten langen Album »n°3« könnte sich die Musik nicht ferner des Klischees von Punk und Plastik-Pop befinden: jj stehen auch auf ihrem zweiten Album für schön introvertierten, äußerst ungefährlichen Balearic-Pop.
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Walter W. Wacht
Als wir am Dienstag die Facebook-Frans dieses Magazins auf das neue Musikvideo zu »Lied für Alle« von Jacques Palminger & the Kings of Dub Rock aufmerksam machten, tauchten nach einigen »Likes« und generell gut gestimmten Kommentaren auch Nachfragen zur ursprünglichen Motivation des Stücks auf. Wir erinnern uns: Vor fast drei Monaten kommunizierten wir eine E-Mail bzw. einen Aufruf von Jacques Palminger zum kollaborativen Song-Texting. Die Idee: Jeder Mensch speist ein bis beliebig viele Textzeilen bzw. Audiospuren in das »Lied für Alle« ein, Palminger und die Kings of Dub Rock bauen schließlich aus den einzelnen Fragmenten ein großes Ganzes. Das soeben vorgestellte Musikvideo ließ diesen Web-Duktus aber nun vermissen, woraufhin wir kurz bei Jacques Palminger nachfragten, was denn aus dem Material geworden sei. Seine Antwort ist diese:
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Walter W. Wacht

Überlassen die Foals die Tempo-Mache nun den Anderen? Ihr neuer, siebenminütiger Song »Spanish Sahara« jedenfalls setzt mehr auf dramatisch-langsamen Aufbau denn auf die knackig-vertrackten Rhythmen und das energische Auftreten ihres Debüt-Albums »Antidotes«: Nur kurz nehmen Schlagzeug- und Gitarrespiel eine dominante Rolle im Stück ein, der Großteil von »Spanish Sahara« ist geprägt von elektronischen Effekten und melancholischer Grundstimmung. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Remix des britischen Ambient-Dubstep-Duos Mount Kimbie: Ihre Bearbeitung von »Spanish Sahara« verlangsamt das Original der Band aus Oxford nochmals, setzt dabei auf die asynchronen Beatpatterns von Dubstep, wirkt insgesamt aber präsenter und schlüssiger als das Original des Tracks. Das Beste daran: Der Mount-Kimbie-Remix steht zum kostenlosen Download auf der Webseite der Foals bereit. Daneben wurde das neue Musikvideo zu »Spanish Sahara« vorgestellt, zwei Live-Shows in Deutschland stehen ebenfalls.
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Walter W. Wacht
Es stellt schon eine recht gute Ansage dar, als Pop-Act den Tod des gesamten Universums, des »Big Crunch« als Namen zu tragen. Die französische Band rund um das Duo Lisa Li-Lund und Gilbert Cohen tut ebendies und nennt sich The Big Crunch Theory, womit die Wissenschaft das Forschungsfeld des umgekehrten Urknalls bezeichnet, also der Verkleinerung des Universums bis zum endgültigen Verschwinden aller Existenz. The Big Crunch Theory funktionieren als Band nun ganz anders: Sie sind – um einen jener fiesen Branchenbegriffe zu verwenden – Newcomer, verheißungsvolle sogar. Als diese streben sie natürlich weniger Richtung Kollaps sondern zur musikalischen Expansion, was sie mit ihrer Ende März erscheinenden ersten Maxi-EP zu unterstreichen versuchen: Remixes ihrer Stücke wurden von Roman Flügel und dem allseits beliebten DJ Koze angeliefert.
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Walter W. Wacht

Hier verschwimmen die Welten: Zum ersten Mal innerhalb der Musikvideografie der Gorillaz lappt die digitale Welt Damon Albarns in die reale Welt hinüber. Das neue Musikvideo zur Single »Stylo« beginnt mit einer wilden Verfolgungsjagd auf einer der endlosen Interstate-Strecken der USA: Die Gorillaz auf der Flucht in einem schwarzen Mustang 1969er Chevrolet Camaro SS Coupé (Korrektur siehe Kommentare, Anm. d. red.), verfolgt von einem ziemlich wütenden Bruce Willis in einem roten Chevrolet El Camino. Ein wilder Ritt in amerikanischen Muscle Cars also, der an das erste Beschleunigungs-getriebene Musikvideo »19-2000« erinnert.
Um die Erinnerungen daran ebenfalls aufzufrischen präsentieren daher in einem Special mit tape.tv die weiteren Musikvideos der Gorillaz:
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Oskar Piegsa, Michael Lutz
PIEGSA: Brian Burton, unter dem Namen Danger Mouse bekannt als Messlattenhochleger hinter Gnarls Barkley, den Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen, arbeitet auf »Broken Bells« zur Abwechslung mal nicht mit Damon Albarn zusammen, sondern mit James Mercer von The Shins. Das passt gut zu einem Aufsatz, den der Singer/Songwriter Chris Milam kürzlich unter dem Titel »Bored New World« auf der Website popmatters.com veröffentlichte. Dort behauptet Milam, dass es mit der amerikanischen (Gitarren-) Popmusik genau seit dem Moment bergab ging, als Natalie Portman 2004 in dem Film »Garden State« Zach Braff ihre Kopfhörer überstülpte und ihm mit den Worten »Das wird dein Leben verändern« den Song »New Slang« von The Shins vorspielte. Seitdem ist bekanntlich jeder, der den Film gesehen hat, heimlich verknallt entweder in Natalie Portman und/oder Zach Braff bzw. The Shins. Und seitdem – so argumentiert Milam – könnten sich alle weißen mittelständischen Mittzwanziger damit arrangieren, weiße mittelständische Mittzwanziger zu sein und nur noch Musik zu machen, die genauso klingt: nach Langweiler-Pop ohne gewagten ästhetischen Ansatz oder auch nur den Anflug irgendeines politischen Bewusstseins.
Erschienen in SPEX #325 03-04.2010 | 02.03.2010 09:01
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Walter W. Wacht
Überraschungen gibt es auch auf »Oversteps« keine: Das zehnte Autechre-Album klingt wieder wie 1000 Jahre Maschinenwinter, also durchweg aufregend und die verschiedenen Geschmäcker spaltend. Wer früher schon keinen Zugang zu den sorgfältig ausmodulierten Klangwelten Rob Browns und Sean Booths fand, der dürfte auch mit »Oversteps« gehörige Probleme bekommen. Vielleicht ist dies auch der Grund für den Radio-Marathon, den das aus der Nähe Manchesters operierende Duo am Dienstagabend wegsenden wird. Im Rahmen der zwölfstündigen Radiosendung dürften Autechre dann – wie schon vor zwei Jahren – nicht nur einen Großteil ihrer eigenen Diskografie auswalzen, sondern auch Begleitveröffentlichungen und Inspirationen preisgeben. Vielleicht hört man dann auch Auszüge aus »3. Telepathics Meh In- sect Er Connection«, dem Nebenprojekt Sean Booths mit Mika Vainio von Pan Sonic.
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Walter W. Wacht

Frank Spilker als Wiedergänger der Popmusik? Im neuen Video zu »Life in Quiz« wähnt man den Sänger der Die Sterne ausgestreckt auf der Totenbahre liegend, ein Restzucken durchfährt die menschliche Hülle – bis Spilker am Ende des Clips doch noch einmal ganz lebendig und schelmisch in die Kamera grinst. Selbstreferenzialität der Die Sterne 2010? Mit »24/7« haben sie soeben ihr erstes richtiges Disco-Album veröffentlicht, und schon nach einem kurzen Durchlauf merkt man, dass Die Sterne weder tot sind, noch danach riechen.