Text:
Walter W. Wacht
Ein gängiges musikjournalistisches Klischee ist das der Album-Spielzeit: Platten einer Spieldauer von knapp 30 Minuten Länge können – so das Klischee – nur Punks, ehemalige Punks oder astreine Popmusiker zustande bringen, jedenfalls muss die Anzahl der Songs überschaubar und die Musik schnell gespielt bzw. sagenhaft gut auskomponiert sein. Im Falle des schwedischen Duos jj und ihrem exakt 27:16 Minuten langen Album »n°3« könnte sich die Musik nicht ferner des Klischees von Punk und Plastik-Pop befinden: jj stehen auch auf ihrem zweiten Album für schön introvertierten, äußerst ungefährlichen Balearic-Pop.
Text:
Walter W. Wacht
Es stellt schon eine recht gute Ansage dar, als Pop-Act den Tod des gesamten Universums, des »Big Crunch« als Namen zu tragen. Die französische Band rund um das Duo Lisa Li-Lund und Gilbert Cohen tut ebendies und nennt sich The Big Crunch Theory, womit die Wissenschaft das Forschungsfeld des umgekehrten Urknalls bezeichnet, also der Verkleinerung des Universums bis zum endgültigen Verschwinden aller Existenz. The Big Crunch Theory funktionieren als Band nun ganz anders: Sie sind – um einen jener fiesen Branchenbegriffe zu verwenden – Newcomer, verheißungsvolle sogar. Als diese streben sie natürlich weniger Richtung Kollaps sondern zur musikalischen Expansion, was sie mit ihrer Ende März erscheinenden ersten Maxi-EP zu unterstreichen versuchen: Remixes ihrer Stücke wurden von Roman Flügel und dem allseits beliebten DJ Koze angeliefert.
Text:
Oskar Piegsa, Michael Lutz
PIEGSA: Brian Burton, unter dem Namen Danger Mouse bekannt als Messlattenhochleger hinter Gnarls Barkley, den Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen, arbeitet auf »Broken Bells« zur Abwechslung mal nicht mit Damon Albarn zusammen, sondern mit James Mercer von The Shins. Das passt gut zu einem Aufsatz, den der Singer/Songwriter Chris Milam kürzlich unter dem Titel »Bored New World« auf der Website popmatters.com veröffentlichte. Dort behauptet Milam, dass es mit der amerikanischen (Gitarren-) Popmusik genau seit dem Moment bergab ging, als Natalie Portman 2004 in dem Film »Garden State« Zach Braff ihre Kopfhörer überstülpte und ihm mit den Worten »Das wird dein Leben verändern« den Song »New Slang« von The Shins vorspielte. Seitdem ist bekanntlich jeder, der den Film gesehen hat, heimlich verknallt entweder in Natalie Portman und/oder Zach Braff bzw. The Shins. Und seitdem – so argumentiert Milam – könnten sich alle weißen mittelständischen Mittzwanziger damit arrangieren, weiße mittelständische Mittzwanziger zu sein und nur noch Musik zu machen, die genauso klingt: nach Langweiler-Pop ohne gewagten ästhetischen Ansatz oder auch nur den Anflug irgendeines politischen Bewusstseins.
Erschienen in SPEX #325 03-04.2010 | 02.03.2010 09:01
Text:
Walter W. Wacht
Am kommenden Freitag erscheint nun auch »Plastic Beach«, das dritte Album der fiktiven Comicband Gorillaz. Zum Stichwort »F wie Fiktion« heißt es im »ABC der Affen« in der aktuellen Spex #325 übrigens:
»Man müsste vermutlich einen Psychiater fragen, um beurteilen zu können, ob angesichts der komplett erfundenen Lebensläufe der Gorillaz-Figuren nicht auch Kindheitsfantasien ausgelebt werden, etwa wenn behauptet wird, Murdoc habe zwischen zwei Produktionen im großen Stil Waffen an Diktatoren in Drittweltländern verkauft.«
Seit heute lässt sich »Plastic Beach« nun per Album-Stream in Gänze auf Realitätstauglichkeit untersuchen.
Text:
Walter W. Wacht

Vor einigen Wochen verwiesen wir an anderer Stelle auf die mit drei CDs bzw. sechs Vinyls bzw. rund zwei Stunden ungewöhnlich lange Spielzeit des neuen Joanna-Newsom-Albums »Have One on Me«, das am kommenden Freitag in Deutschland erscheinen wird. Vorab kann man das Newsom’sche Tryptichon in Gänze streamen, im ausführlichen Spex-Gespräch der aktuellen Ausgabe Spex #325 kommentierte die amerikanische Sängerin und Komponistin die aus ihrer Sicht letztlich schlüssig lange Platte:
Text:
Walter W. Wacht
Wenn im Mai das neue, derzeit noch unbetitelte Album von LCD Soundsystem erscheint, hat der Kopf des Projekts bereits ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. Parallel zum dritten LCD-Studioalbum mit dem um sich gescharten Musikerkollektiv arbeitete James Murphy am Soundtrack zu Noah Baumbachs Spielfilm »Greenberg«, einer Liebeskomödie mit Ben Stiller über einen von Orientierungslosig- und Antrieblosigkeit überwältigten Vierzigjährigen, der House-sittend in Los Angeles an dem eigenen alternden Freundeskreis zu nagen hat. Neben dem Soundtrack sowie dem neuen Studio-Album kommt James Murphy mit LCD Soundsystem im Mai für eine Club-Show nach Deutschland.
Text:
Walter W. Wacht

Seit etwas über einem Jahr gehört auch der Brite Paul Rose alias Scuba fest zum Berliner Clubbetrieb dazu. Rose, Betreiber des Dubstep-Labels Hotflush Recordings (u.a. Joy Orbison, Mount Kimbie), lebt seit 2007 in der Hauptstadt und veranstaltet dort seit einiger Zeit die erfolgreiche Partyreihe Sub:Stance auf dem Hauptfloor des bei Spex vielleicht etwas zu oft thematisierten Clubs Berghain. Vor zwei Wochen feierte Sub:Stance dort den einjährigen Geburtstag, auf dem Clubeigenen Label Ostgut Ton erschien parallel dazu die Compilation »Sub:stance Vol. 1«, die wie kaum eine andere geschickt die verschiedenen aktuellen Strömungen von Dubstep in Richtung Techno, Ambient und Pop zu fassen wusste. Im März veröffentlicht Rose unter seinem Produzenten-Pseudonym Scuba nun sein neues, von House und Techno, Dubstep und Drum ‘n Bass inspiriertes Album »Triangulation«, einen Vorgeschmack gibt Scuba heute Abend im Club Horst Kreuzberg mit dem legendären Killasan-Soundsystem.
Text:
Michael Lutz

Wenn ein Konzert der Hamburger Formation Deichkind ansteht, hat man immer ein bisschen das Gefühl, der Zirkus sei in der Stadt. Und auch wenn die Formation immerhin schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, gilt sie immernoch als sichere Bank, wenn man sich mal wieder so richtig das Hirn durchspülen lassen will. Mit ihrem manischen Mash-Up aus Hiphop, Electro und Freak-Theater treiben Deichkind die Euphorie in ausverkauften Hallen auf die Spitze. Da fragt man sich schon, ob das noch ein Konzert ist oder schon ein kultisches Ritual zur Beschwörung mächtiger Götter. Jedenfalls tropft bei diesen szenischen Happenings jede Menge Flüssigkeit von der Hallendecke – wobei es sich freilich nicht ausschließlich um Kondenzwasser handelt.
Weil aber der Feier-Imperativ auch sein Gegengewicht braucht, präsentieren Deichkind im Frühjahr eine neue, nachdenklichere Form des Wahnsinns: »Deichkind in Müll«, eine von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Koproduktion der Band mit dem Hamburger Theaterhaus Kampnagel. Neben der Premiere in Hamburg wurden außerdem ein Termin in Krems bestätigt, außerdem kann man nun den Deichkind-Remix von Tocotronics »Macht es nicht selbst« streamen.
Text:
Walter W. Wacht
Das Jahr 2010 begeht gerade erst seine sechste Woche, und schon wird das Rennen um den miesesten Song des noch jungen Jahres ziemlich eng. Zugegeben: Das Kampflied »Purple and Gold«, das Prince für das Football-Team Minnessota Vikings geschrieben hat, wurde bereits in der vergangenen Woche während der Begegnung der Vikings mit den New Orleans Saints vorgestellt, es drang aber leider jetzt erst bis in diese Redaktion vor. Dazu einige Worte: Er habe »die Zukunft gesehen«, soll Prince anlässlich eines Vikings-Spiels gesagt und noch in derselben Nacht mit der Arbeit an »Purple and Gold« begonnen haben.
Text:
Walter W. Wacht
Ihr neues Album wird am 1. März erscheinen, »Have One On Me« heißen, ganz unbescheiden als Dreifach-Album ausfallen, musikalisch wahrscheinlich sehr interessant und leider mit einem katastrophalen Artwork ausgestattet sein. Gestern Abend wurde nun auf der Homepage ihres Labels Drag City das erste Stück »81« des rund zweistündigen Joanna-Newsom-Albums als Stream bereitgestellt, schon kurz darauf ging der Webserver wegen des enormen Besucherandrangs in die Knie, war Dragcity.com nicht mehr erreichbar.