Text:
Max Dax, Mark Stewart
Sie liefen Gefahr, zu einer Supergroup zu werden, auf die sich alle einigen können – und daran zu ersticken. Also ließ sich Robert »3D« Del Naja, der Gründer und zuletzt alleinige Lenker der Band, acht Jahre Zeit, löschte ein bereits komplett eingespieltes Massive-Attack-Album und hieß seinen alten Mitstreiter Grantley »Daddy G« Marshall wieder in der Band willkommen. Mit »Heligoland« wärmen Massive Attack ihren auf »100th Window« auf Eiseskälte heruntergefahrenen Sound wieder spürbar auf. Warm ist auch die Umarmung, als sich Mark Stewart und Del Naja im Berliner Tempodrom wiedersehen. »How do you get the cheese from the bear in the woods?«, fragt Stewart zur Begrüssung. Und als Del Naja verdutzt guckt, feuert Stewart die Pointe ab: »C’mon, bear!«
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 01.02.2010 16:35
Text:
Walter W. Wacht

Am Freitag findet die zweite Ausgabe von Spex Live vor ausverkauftem Haus in Hamburg statt, für alle ohne Ticket kommt hier das Trostpflaster: Schon am 12. Mai findet Spex Live erneut statt, dann wie im Vorjahr im Berliner Club Berghain. Auf Twitter wurde bereits über Termin und Booking spekuliert, dem möchten wir gerne einen Schuss Bestätigung hinzufügen: Als erste Zusage freuen wir uns über das Konzert des fabelhaften Weird-Pop-Duos High Places, die im Rahmen von Spex Live ihr neues Album »High Places vs. Mankind« vorstellen werden.
Das zweite Studioalbum der ursprünglich aus Brooklyn stammenden und heute in Los Angeles lebenden Band wird Anfang April auf Tthrill Jockey Records erscheinen und soll deutlich Songorientierter, gesanglich weniger verfremdet und Gitarrenlastiger ausfallen. Inhaltlich wollen Mary Pearson und Rob Barber die großen Themen des Lebens unterbringen: Liebe, Sucht, das Altern und der Tod. Ende letzten jahres veröffentlichten High Places bereits die neue Digital-Single »I Was Born«, in den nächsten Wochen soll ein zweites Stück des Albums von einem Musikvideo begleitet ausgekoppelt werden.
Im Interview äußerten sich Pearson und Barber zu den Gründen ihres Umzugs an die Westküste, den musikalischen Neuerungen auf »High Places vs. Mankind«, dem Aufnahmeprozess des Albums, Cover-Versionen von Burial sowie zu ihrem Wunsch-Kollaborateur David Lee Roth.
Text:
Max Dax
Sie ist ganz klein und zierlich, und man sieht ihr von Angesicht zu Angesicht die 76 Jahre nicht an: Yoko Ono, Konzeptkünstlerin von Weltrang und umstrittene Musikerin, veröffentlicht zum ersten Mal seit 1973 mit »Between My Head and the Sky« ein neues Album ihrer Plastic Ono Band. Diese ist in neuer Besetzung wiederauferstanden. Gemeinsam mit ihrem Sohn Sean Lennon versammelte sie eine Schar toller internationaler Musiker um sich – unter ihnen Cornelius und Erik Friedlander. Ihr eklektischer Pop klingt ebenso gegenwärtig wie relevant. Yoko Onos Timing ist perfekt: Die unermüdliche Kämpferin für den Weltfrieden nahm erst kürzlich auf der Biennale in Venedig neben John Baldessari den Preis für ihr Lebenswerk entgegen.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 07.12.2009 08:15
Text:
Martin Hossbach
Das Unerhört! Musikfilmfestival startet aus Redaktionssicht in die heiße Phase: Am Freitag präsentiert der Produzent und Spex-Musikvideoblogger Moritz Schmall im Kino 3001 Hamburg die elf besten Musikvideos des Jahres 2009. Martin Hossbach befragte Schmall im Vorfeld zur Relevanz des Musikclips und seinem Interesse für jenes Medium.
Text:
Walter W. Wacht
Nach seinem Quasi-Vintage-Porno-Viral für den Modeartikler Diesel, dem Nudeness-Zensur-Clip für The Brighton Port Authority und dem innovativen Schluss-Credit-Musikvideo für den Justice-Remix von Lenny Kravitz bringt sich der Regisseur Keith Schofield für die neueste Single von Charlotte Gainsbourg und Beck noch einmal ins Gespräch. Erneut setzt der 30-jährige Amerikaner dabei auf die virale Verbreitung seines Videos. Lagen seinen vorangegangenen Clips aber Nacktheit bzw. ein schlüssiges Gesamtkonzept zugrunde, so erkennt man im Musikvideo zu »Heaven Can Wait« keine zusammenhängende Linie: Der Zuschauer wird mit zahlreichen Einzel-Motiven konfrontiert, einige davon kennt man als ›Digital Native‹ vermutlich sogar – Schofield ist ein großer Freund gefundener bzw. generischer Fotografie. Er habe einen mit rund 3.000 Bildern gefüllten Ordner auf dem Desktop seines Computers, sagt Schofield über sich selbst, aus dem er immer wieder Inspirationen für neue Arbeiten heraussuche, und der letztlich auch ausschlaggebend für die Entwicklung des Videos gewesen sei.
Im E-Mail-Interview erklärte Schofield nun seine Motivation zu »Heaven Can Wait«, parallel dazu stellte er sich in einem langen ›offenen Brief‹ auf dem Musikvideo-Blog »Videoville« der zwischenzeitlich aufgebrandeten Kritik an dem Clip.
Text:
Max Dax
Der Schlagzeuger und Produzent Geoff Barrow wurde bekannt als Gründungsmitglied von Portishead. Dieser Tage veröffentlichte er mit »Recordings 05/01/09 > 17/01/09« ein dunkelgrooviges, weitgehend instrumentales Krautrock-Album, das er mit dem von ihm neugegründeten Trio Beak> eingespielt hat.
Im »Questionnaire« erzählt Barrow vom prägenden Einfluss John Carpenters, Cans und Public Enemys auf seine musikalische Entwicklung, warum er Kunst von Außenseitern schätzt, sein Lieblingsschneider an ihm verarmen würde und welches Bier ihm crisp und durchgegletschert durch die Kehle rinnt.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 23.11.2009 09:00
Text:
Martin Hossbach
Nach einer ausgiebigen Tournee im Sommer und Herbst diesen Jahres, welche die Pet Shop Boys auf mehr als 50 Stationen durch Europa und Nord- und Südamerika führte, kehren Neil Tennant und Chris Lowe mit einer visuell ebenso beeindruckenden wie minimalistischen, von Es Devlin konzipierten Würfel-Show im Dezember für sechs Konzerte zurück nach Deutschland. Hier verkaufte sich ihr aktuelles Album »Yes« zum ersten Mal in der Karriere der Band besser als in England. Am 11. Dezember veröffentlichen die Pet Shop Boys bei EMI außerdem eine EP namens »Christmas«. Martin Hossbach telefonierte anlässlich der anstehenden Neuaufnahme der Tour und der EP mit Neil Tennant.
Text:
Martin Hossbach

Vor kurzem erschien »Popsongs« – für Klavierquartett arrangierte, vom Fauré Quartett eingespielte Coverversionen von Popsongs von Künstlern wie Pet Shop Boys, Elliott Smith oder Prefab Sprout. Das Projekt entstand auf Anregung der Klassikabteilung von Universal Music, die Umsetzung übernahm Produzent, Komponist und Musikvideo-Regisseur Sven Helbig. Im Gespräch in einem türkischen Restaurant in Kreuzberg äußerst sich Helbig zu Björn Gottsteins Kritik zu »Popsongs« in Spex #323, welche er aber erst nach dem Interview liest.
Text:
Gunnar Klack
In den USA dauert der Record-Store-Day nur 24 Stunden, bei uns ganze sieben Tage. Deswegen nennt sich die Veranstaltung in Deutschland auch Plattenladenwoche. Im Rahmen der Plattenladenwoche finden in vielen unabhängigen Musikhandlungen kleine Konzerte statt. Ziel der ganzen Sache: Das Herumstöbern in physikalischen Tonträgern in Wert zu setzen, Aufmerksamkeit für diese tolle Beschäftigung zu generieren.
Unterstützung erhält die Plattenladenwoche von einer Reihe Musiker, doch kein Beitrag fällt so exzentrisch aus wie der von Tocotronic und Deichkind. Die beiden Bands bringen extra exklusiv und ausschließlich nur für die Plattenladenwoche eine auf 500 Stück limitierte Splitsingle heraus. Weil wir unbedingt wissen wollten, wie sich die beiden grundverschiedenen Bands das gedacht haben mit ihrer in Songs formulierten gegenseitigen Kampfansage mussten wir unbedingt genauer Nachfragen. Hier klicken für beide Emailinterviews.
Text:
Martin Hossbach
Einen Tag, nachdem Bernard Sumner und sein Schulfreund Peter Hook 1976 ein Konzert der Sex Pistols in Manchester gesehen hatten, gründeten sie eine Band. Mit dem später dazugestoßenen Sänger Ian Curtis wurde man als Joy Division berühmt. Nach Curtis’ Freitod übernahm Sumner die Rolle des Sängers in der umbenannten Band New Order. Deren riesige Umsätze finanzierten ab 1982 den Betrieb der Konzerthalle The Haçienda, die später als Drogenmekka und Technoclub weltberühmt wurde. Heute, nach dem x-ten Zerwürfnis mit Bassist Hook, ruht New Order, und das erste Album von Sumners neuer Band Bad Lieutenant, »Never Cry Another Tear«, erscheint. Zum Interview bittet Sumner, 53, an einem regnerischen Nachmittag aufs Land im Süden Manchesters.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 12.10.2009 13:55