Text:
Sebastian Hammelehle
Seine Weltverbesserungstheorien kommen ohne Bono-Beigeschmack aus, und sein lobenswert vielfältiger Klangirrsinn entsteht bei fünfzig Grad in der Wüste: Gonjasufi alias Sumach Valentine ist über Drogen, Las Vegas, Yoga und die Mystik des Islam einen langen Weg gekommen, um uns daran zu erinnern, dass Extrembedingungen im Pop noch nie geschadet haben.
Erschienen in SPEX #325 03-04.2010 | 03.03.2010 09:02
Text:
Ralf Krämer
Das Schreien hat ein Ende. Als würde der historische Übergang von Punk zu Wave als Blaupause für seine persönliche Entwicklung herhalten, hat Wesley Eisold aus Philadelphia dem Hardcore seiner früheren Bands Give Up The Ghost und Some Girls laut Servus gesagt. Nun singt (!) er richtig, zum Beispiel Zeilen wie »Look outside, world is exploding / Stay inside, so never knowing« im Titeltrack des Cold-Cave-Debütalbums »Love Comes Close«. Man versteht jedes Wort. Eine Melodie ist nicht nur erkennbar, sie wird durch ihre Wiederholungen sogar manifestiert. An die Stelle des Gitarrengewitters ist synthetische Klarheit aus Yamaha- und Casio-Keyboards getreten.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 02.02.2010 13:39
Text:
Philipp Ekardt, Jan Kedves
Sein ganz eigener Sound-Entwurf zwischen Klangforschung und romantischer Motivik hat Hendrik Weber alias Pantha du Prince in der Welt der Clubs zum Star gemacht. Nun hat der Produzent sein neues Album »Black Noise« fertiggestellt. Statt auf seinem Stammlabel Dial erscheint es bei Rough Trade: Geoff Travis war ein so großer Fan des Vorgängers »This Bliss«, dass er Weber anbot, den Nachfolger zu veröffentlichen. Tatsächlich ist »Black Noise« ein großer Wurf. Auf dem Album verbinden sich hyperreale Glockensounds und das Schaben eines Schweizer Schuttbergs, der einst ein ganzes Dorf begrub, zu gespenstisch alpinem Eiskristalltechno.
Am heutigen Freitag, den 22.01.2010., stellt Pantha du Prince »Black Noise« mit einem Live-Set im Rahmen der Party von Spex Live im Hamburger Club Uebel & Gefährlich vor, Karten sind ab Mitternacht an der Abendkasse erhältlich. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf den auf ZEIT Online kritisierten Missstand eines inkorrekt gekennzeichneten Textes im Angebot unseres Online-Werbemittels www.live.spex.de hinweisen, eine Reaktion darauf findet sich hier.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 22.01.2010 12:30
Text:
Jan Kedves
Nicht nur Rammstein, auch Bands wie The Flaming Lips oder Girls erkoren ›ihn‹ zum Hauptakteur ihrer Videos. Lady GaGa behauptete, einen zu haben, und Ja, Panik wollten ihn zerstören: 2009 war das Jahr des Penis im Pop. Während Michael Jackson sich auf der Leinwand ein letztes Mal an den Schritt fasste, probte man woanders den entspannten Umgang mit ironisierter Männlichkeit und rockistischer Schwanzmythologie.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 31.12.2009 09:00
Text:
Klaus Walter
2009 kam mit Auto-Tune ein kosmetischer Vokaleffekt im Mainstream an und rührte alte Ressentiments neu auf. In seiner Radiosendung »Was ist Musik« beschäftigt sich Klaus Walter am Dienstag, 13 bis 16 Uhr mit dem Phänomen Auto-Tune und spielt entsprechende Stücke von Burial bis Zapp.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 22.12.2009 09:00
Text:
Walter W. Wacht

Als Auswärtiger auf Berlin zu schauen, bedeutet oft genug: Verwunderung, was der neue Wirbel um Techno soll. Seit rund vier Jahren erfährt die Techno-Kultur der Hauptstadt wachsendes mediales wie Besucher-Interesse – seien es Clubs wie Berghain, Watergate und Bar25, Plastik-Hymnen wie »3 Tage wach« bei »The Dome«, oder äußerst erfolgreiche Bücher wie »Lost And Sound« von Tobias Rapp, das nun auch in englischer Übersetzung veröffentlicht wird. Daneben wurde ein Film wie »Berlin Calling« zum internationalen Kassenschlager und katapultierte seinen Hauptdarsteller Paul Kalkbrenner in vormals ungeahnte Erfolgsdimensionen. Sogar über Ricardo Villalobos, den Pop-Star unter den Techno-Produzenten, wurde nun ein Film gemacht – der Berliner Regisseur Romuald Karmakar hat dem gebürtigen Chilenen Villalobos ein filmisches Denkmal gesetzt. Auch die neue Dokumentation »After Hours« portraitiert Techno in Berlin, die spannende Webserie ist nun auf dem Webserien-Portal 3min.de und Spex.de zu sehen.
Text:
Christoph Dreher

In der Spex-Reihe »Wichtige Musikvideos« stellen wir in jeder Ausgabe einen Clip vor, der die Produktionsmöglichkeiten im digitalen Zeitalter spiegelt und Musik auf innovative Weise illustriert. In dieser Folge widmet sich Christoph Dreher »Andere Leute«, dem neuen Video von Malakoff Kowalski, das aus Szenen früher Filme des Regisseurs Klaus Lemke geschnitten ist.
Erschienen in SPEX #323 11-12.2009 | 27.10.2009 13:06
Text:
Walter W. Wacht
Anfang des Monats teilte der amerkianische Musiker und Philosophie-Dozent der staatlichen University of Hawaiʻi at Mānoa John Maus über seine Online-Präsenzen mit, dass er in Kürze die New Yorker Band Chairlift als Keyboarder auf deren Europa-Tournee begleiten würde und für die fraglichen Termine auf der Suche nach Einzel-Shows sei. Wenige Tage später standen bereits die ersten Konzerte, nun wurden auch die beiden anderen Shows in Leipzig und Hamburg bestätigt.
Maus, 29 Jahre alt, arbeitet bereits seit seinem elften Lebensjahr in Sachen Musik. Seit Ende der Neunziger war er in Ariel Pinks Underground-Avantgarde-Projekt Haunted Graffiti und als Tour-Keyboarder für Panda Bear tätig, um 2006 auf dem Label Upset! The Rhythm sein erstes Solo-Album »Songs« und ein Jahr später das furiose »Love is Real« zu veröffentlichen – ein von flott klimpernden Synthesizer-Sounds, flächig ausgewalzten Ambiencen und hämmerndem Drumcomputing geprägtes Album, über dem in allen Stücken Maus’ repititiver und ultra-baritoner, an Ian Curtis erinnernder Gesang stand.
Text:
Die Redaktion
Daniel Johnstons iPhone-App – – – Chromeos Quasi-App – – – Gonzales Sieg über Andrew W.K. – – – Phoenix im Animal-Collective-Remix – – – Hyperdubs neue Dubstep-Band Darkstar – – – Dizzee Rascal im Stream – – – Der Spextrakt.
Text:
Ulrich Gutmair
Wie ging eigentlich Pop noch mal? Die Schwedin Sally Shapiro erinnert uns: eine Melodie, ein Sound, ein Gitarrenriff, dazu eine Zeile, die dich trifft »wie ein Blitz« – wie es in ungezählten Lovesongs heißt. Schon sprechen die Botschaften aus dem Radio oder vom Plattenteller zu dir allein. Der Star und seine Drei-Minuten-Erzählung als Projektionsfläche: Das könnte ich sein. So zeigt es auch das Video zu Sally Shapiros Song »Jackie Jackie«: Ein Junge (oder ist es ein Mädchen?) im Kinderzimmer. An den Wänden hängen Poster, darunter ein Bild von Sally. Das Kind zieht eine Sally-Shapiro-LP aus dem Regal und singt und tanzt zu dem Song, schließlich auch gemeinsam mit Sally, die im TV-Bild erscheint: »Oh, Jackie Jackie / I still wait by the phone / Oh, Jackie Jackie / I don’t wanna be alone / So come along with me tonight«.
Erschienen in SPEX #322 09-10.2009 | 21.09.2009 09:17