Live

You Say Party! We Say Die!

There is XXXX (Within My Heart)

Text: Walter W. Wacht

You Say Party! We Say Die! XXXX Video TeaserPromo gone wrong? Das Vierfach-X in Album-Titel und anderen jüngeren Songs der kanadischen Dance-Punk-Band You Say Party! We Say Die! soll als Platzhalter für »Love« stehen, dabei fühlt man sich unfreiwillig eher an die britische Hype-Band The XX erinnert, deren Album-Cover und Bandname seit rund einem Jahr nun wirklich an jeder Ecke des Internets, in nahezu allen Plattenregalen und in beinahe jedem Musikmedium Unterbringung fand. Aber betrachten wir »There is XXXX (Within My Heart)« und das neue Musikvideo der jungen Regisseurin Hill Kourkoutis dazu einfach ohne Referenz-Kasten:                            

 
 

Shrinebuilder

Metal-Supergroup auf Europa-Tournee, Posterbuilder-Wettbewerb, MP3

Text: Walter W. Wacht

Aus New York berichtete Jens Balzer in Spex #324 anlässlich des Konzerts der Metal-Supergroup Shrinebuilder: »Sie zertrümmern die Traditionen und kleben aus deren Fragmenten ein schönes, schiefes, aber jedenfalls ganz neues Bild zusammen. Shrinebuilder sind so gesehen auch keine Band, sondern ein echtes Ensemble. Sie bereichern den Metal mit einem Kollektivismus, den es in dieser Form bislang nicht gab.« Im April kommen Scott ›Wino‹ Weinrich (Saint Vitus, The Obsessed), Dale Crover (Melvins), Scott Kelly (Neurosis) und Al Cisneros (Om, Sleep) als Shrinebuilder nun für einige wenige Live-Shows nach Deutschland, Österreich und die Schweiz, für die Gestaltung des Tour-Posters wird derzeit ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die Spielregeln lesen sich wie folgt:                            

 
 

Trentemøller

Taucht mit neuem Album »Into the Great Wide Yonder« ab, DJ-Sets im Club ab Freitag

Text: Walter W. Wacht

Trentemøller Album DJ-Tour TeaserVeränderung wird nötig sein: Wie sonst wird Anders Trentemøller sein furios-episches Düster-Techno-Album »The Last Resort« noch einmal toppen können? Sein zweites Album wird auf seinem eigenen Label In My Room Records erscheinen, betitelt ist es »Into the Great Wide Yonder«, was übersetzt soviel wie »in die ganz weite Ferne« bedeutet. Ob sich Trentemøller damit eine Referenz auf Tom Petty und dessen 1991 mit The Heartbreakers erschienenes Album (bzw. den Song) »Into the Great Wide Open« erlaubt, ist allerdings (noch) nicht überliefert. Fest steht bisher nur: Trentemøller veröffentlicht die zehn Stücke starke Platte am 31. Mai, vorab erscheint die Single »Sycamore Feeling« und ab morgen ist Trentemøller als DJ in Deutschland auf Cloub-Tour.                            

 
 

Tiny Vipers

Live in Deutschland & Österreich, in Berlin mit Kria Brekkan

Text: Michael Lutz

Tiny Vipers Spex präsentiertTiny Vipers ist Jesy Fortino, eine viel zu wenig beachtete Musikerin aus Seattle, die mit Akustikgitarre und Gesang geradezu geisterhafte Visionen entwirft. Ihre kraftvoll-erdige Stimme und das glühende Gitarrenspiel vermitteln dreierlei: Können, Willen und Grundehrlichkeit.

    Ab kommender Woche ist Fortino mit ihrem letztjährig auf Sub Pop erschienenen Album »Life on Earth« auf Akustik-Tournee durch Deutschland und Österreich, im Rahmen ihres Zwischenstopps in Berlin tritt sie gemeinsam mit der Múm-Mitbegründerin bzw. aus dem Animal-Collective-Umfeld stammenden Multiinstrumentalistin Kria Anna Valtýsdóttir alias Kria Brekkan auf.                            

 
 

Festland

Welt verbrennt

Text: Thomas Hübener, Max Dax, Ralf Krämer

Festland Welt verbrennt Tonträger Pop-Briefing Spex #325HÜBENER: Das Trio Festland aus Essen macht einerseits geradlinige Discorockmusik und andererseits Tanzpop auf Basis von immer wieder Ska- und Reggae-Rhythmen. Dazu singt Schlagzeuger und Sänger Thomas Geier Texte seines Malerfreundes Fabian Weinecke, die eine stete Balance zwischen Melancholie und Skurrilität wahren. Geier skandiert nicht, er singt mit sanfter Nicht-Stimme. Da der Impuls zum Weghören groß ist, wenn jemand schreit, fordert, drauflosappelliert – wie etwa bei den Blumfeld der Vor-Schlager-Phase, bei Tocotronic, bei den Fehlfarben mit Peter Hein als Sänger –, ist der eher stille Gestus von Festland so erfreulich. These: Mit sanfter Stimme gesungene Krassheiten sind wirkungsvoller als mit krasser Stimme gesungene. Wenn Festland vor vier Jahren im Stück »Wehtun« auf ihrem Debütalbum »An euren Fenstern wachsen Blumen« sangen: »Ich möchte in einer Welt leben ohne Faschisten«, dann klingt das noch heute beim Wiederhören so ungewohnt, weil hier keine Wut, sondern lediglich eine völlig private Art von Trauer, Sehnsucht und ästhetischem Widerwillen zu spüren ist. So würde auch Neil Tennant diese Texte singen.                            

 
 

Xiu Xiu

Hasst sich selbst, Video zum Kotzen, neues Album im Stream, auf Tour

Text: Walter W. Wacht

Das neue Xiu-Xiu-Musikvideo zum Albumtitelgebenden »Dear God, I Hate Myself« wird nicht jeden Geschmack treffen: So simpel, authentisch und effektiv, gleichzeitig aber drastisch rücken nur die wenigsten Künstler das Thema Bulimie auf die Agenda. Wo sich Jamie Stewart auf dem neuen wie auf den älteren Xiu-Xiu-Alben über seine Texte der Katharsis nur inhaltlich nähert, setzt seine neue Bandkollegin Angela Seo die Selbstreinigung für das Musikvideo in die Tat um:                            

 
 

Doctorella

Erste Single der Grether-Supergroup, Release-Show in Berlin, Verlosung

Text: Walter W. Wacht

Doctorella Live TeaserVor zwei Jahren waren sie zwar aufgeladen, aber noch nicht bereit*: Im Bang Bang Club Berlin-Mitte standen Doctorella erstmals auf der Bühne, es ist die Band des Geschwisterpaars Sandra und Kerstin Grethers, die durch ihre frühere Autoren- bzw. Redaktionstätigkeit einen nicht unmaßgeblichen Teil der Spex prägten. Im Februar 2008 jedenfalls wollten sich die Grethers sowie ihr damaliger Bandkollege und Freund Jens Friebe mit ihrer ersten Show in der Öffentlichkeit präsentieren, was im Vorfeld der Show bizarre Blüten trug: Konzert ja, Kritik bitte noch nicht, notierte Jens Balzer damals in der Berliner Zeitung zu einem Telefonat mit Sandra Grether. Nun kann man davon halten was man will, festhalten lässt sich nur, dass Doctorella heute aufgeladener und bereiter denn zuvor sind: In Kürze wird ihre erste Single, bald auch ein Album erscheinen, am Samstag spielen sie ihre nächste Show.                            

 
 

Kammerflimmer Kollektief

Ab heute auf Tournee

Text: Michael Lutz

Mit seiner intuitiv verjazzten Sphären-Elektronik steht das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe schon seit Jahren für einen der elaboriertesten Pop-Entwürfe Deutschlands. Derzeit besteht die Gruppe aus Heike Aumüller, ihrem Mann Thomas Weber sowie Johannes Frisch. Das Trio puzzelt seine Musik aus Harmonium, Synthesizer, Kontrabass und neuerdings auch verstärkt aus Gesängen zusammen, und das nicht nur mit unbändiger Vitalität und schillernder Poesie, sondern vor allem mit beeindruckender Nervenstärke. Einen besseren Eindruck kann man sich in dem mit Hörproben aus ihrem neuen Album »Wildling« ausgestatteten Interview machen, in dem Thomas Weber über den Kompositionsprozess, Gesang und Instrumentierung von »Wildling« sowie die Bedeutung des Begriffs ›Psychedelia‹ für das Kammerfimmer Kollektief sprach.

     Spex präsentiert die heute beginnende Tour. Schade bloß, dass sie es im Rahmen des aktuellen Spielplans – sieht man von einem Konzert in den Sophiensaelen Berlin einmal ab – nicht nördlicher als bis zum Mülheimer Kulturbunker schaffen.                            

 
 

James Murphy vs. LCD Soundsystem

Soundtrack zu »Greenberg«, neues Studio-Album und Club-Show im Mai

Text: Walter W. Wacht

LCD Soundsystem Greenberg NewsWenn im Mai das neue, derzeit noch unbetitelte Album von LCD Soundsystem erscheint, hat der Kopf des Projekts bereits ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. Parallel zum dritten LCD-Studioalbum mit dem um sich gescharten Musikerkollektiv arbeitete James Murphy am Soundtrack zu Noah Baumbachs Spielfilm »Greenberg«, einer Liebeskomödie mit Ben Stiller über einen von Orientierungslosig- und Antrieblosigkeit überwältigten Vierzigjährigen, der House-sittend in Los Angeles an dem eigenen alternden Freundeskreis zu nagen hat. Neben dem Soundtrack sowie dem neuen Studio-Album kommt James Murphy mit LCD Soundsystem im Mai für eine Club-Show nach Deutschland.                            

 
 

Pluralismus der Parallelwelten

Ein Rückblick auf die Berlinale 2010

Text: Wibke Wetzker

Der Berliner Kulturbetrieb stand in der vergangenen Woche ganz im Zeichen der 60. Berlinale. Auch Spex war auf den Filmfestspielen in der Hauptdstadt unterwegs, mit Schreibauftrag, Jurykompetenz und als Teil eines filmbegeisterten Publikums. Für Max Dax begann die Berlinale mit seiner Begrüßung als Mitglied der Kurzfilmjury im Rahmen der Eröffnungsgala im Berlinalepalast. Am Ende fiel auch sein Votum zu Gunsten eines Beitrags aus Schweden aus: »Händelse Vid Bank« von Ruben Östlund wurde mit der goldenen Trophäe für den besten internationalen Kurzfilm ausgezeichnet. Die Geschichte über einen gescheiterten Banküberfall wertete die Jury als gelungene »Reflektion unserer Zeit und wie diese von den Medien beeinflusst ist«, in seinem Spex-Blog »Dissonanz« reflektiert Dax eigene Beobachtungen der diesjährigen Berlinale. Für die Medien ist solch ein Filmfest appetitanregendes Häppchen und gefundenes Fressen zugleich:                            

 
 
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