Kante In der Zuckerfabrik

Frustrierend blutleer: Kante straucheln auf In der Zuckerfabrik zwischen Tropicalia und Tuba-Elefanten.

Kante haben anscheinend literweise Kunstblut in sich hineingeschüttet. Nicht anders ist In der Zuckerfabrik zu erklären. Angefangen hatte alles recht harmlos 2007 mit der Revue Kante Plays Rhythmus Berlin für den Friedrichstadtpalast, die in der Folge auch auf Tonträger erschien. Acht Jahre später kann die Hamburger Band schon einen ganzen Sack voll Vertonungen für Bühnenstücke präsentieren, die von Werken Handkes, Brechts und Voltaires bis hin zu Antigone reichen.

Zwar nistete zwischen Peter Thiessens Stimmbändern schon immer genügend authentisches Pathos, um einem selbst die absurdesten Sprachbilder schmerzfrei zu verkaufen, was aber auf dem letzten regulären Album Die Tiere sind unruhig überlebensgroß war, entwickelt sich hier zur Tour de Force – glücklicherweise nicht ohne den hie und da eingestreuten, brillanten Ausreißer, vor allem zu Beginn der Platte. Offenbar wachsen auch einem Thiessen, immer noch einer der besten Texter zwischen Flensburg und Kempten, die Bühnenvorlagen zunehmend über den Kopf. Er zwängt und verbiegt sich, gerne mal zweisprachig, verästelt seine Sätze ins Undurchdringbare, während sich die Band im Hintergrund mit ihren Arrangements am konventionsbrechenden Diktat des Bühnenkontextes abmüht.

Sofern man dies nicht als – schauder – »Kunstprojekt« versteht und wenn der Novelty-Effekt abebbt, bleibt diese Kompilation frustrierend blutleer. Von psychotischer Tropicalia, Tuba-Elefanten, Todesgeistern, Exorzismen nach dem Markus-Evangelium mit Heliumstimme und dem unsäglichen Feuerzeugschunkler »Donaudelta« hat man schneller als erwartet genug gehört. Man freut sich schon auf all die glückselig durcheinander purzelnden Feuilletonkritiker – und steckt demonstrativ Zombi in den Abspielkasten.

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