Justice

justice-audio-video-disco-cover
*

   JUSTICE goes Glamrock. Vier Jahre nach dem Chartkiller-Album und unzähligen Promi-Remixen melden sich Justice mit Audio, Video, Disco (lat.: Ich höre, ich sehe, ich lerne) betont Seventies-lastig zurück. Das klingt nun etwas weniger funky und dreckig als ihr Debüt, dafür softer und bombastischer, nach queeneskem Gitarrenriff-Pathos oder Kiss auf MDMA, ein apokalyptisches Orchester. Verzerrte Härte ist passé. Der Rolling Stone attestiert Stadionrock-Qualitäten: »French dance duo Justice go arena rock!«, aber das Stadion führen sie seit jeher im Laptopkoffer bei sich. Auch dank brillanter CI: vom todessüchtig-monumentalen Kreuz auf T-Shirts und Lederjacken bis zur anarchischen Ghettogewalt im Video Stress, directed by Romain Gavras.

   In Sachen Vermarktung wird ebenfalls nicht gekleckert: Einen Soundtrack zu einer Adidas-Werbung steuern Justice bei, featuring Kate Perry, bekannt als »We love to entertain you«-Raketenreiterin auf Pro 7, und featuring David Beckham, bekannt als Spitzensportler (anderen Quellen zufolge soll es sich um Lionel Messi handeln. Da fragt man sich: Wie kann man die beiden brasilianischen Fußballspieler bloß verwechseln?). Civilization heißt der vom britischen Discopop-Starlet Ali Love gesungene Track im Tempo um die 115 BPM. Sein sinngemäßer Textinhalt: »Wir marschieren zu den Trommeln des Ostens, paralysiert und besessen von verstorbenen Kreuzrittern, verloren im Schweigen, dem Ruf turbulenter Zeiten, im Bann der Wissenschaft, die auf den Lippen der Weisen lebt.« Das ist militaristischmystisches Munkeln, mit einem Schuss 9/11 und etwas Aufklärung. Das Schweigen als Ruf. Nur: wonach?

   Nach Justice, natürlich, was ja zu Deutsch Gerechtigkeit heißt und einhergeht mit dem Niedergang der Sozialdemokratie. Die beiden Einstiegstracks Horsepower und Civilization heben mit den Olympischen Spielen an, einer Akkordfolge, die in den Eröffnungsakkorden fast düster wie Thriller (Michael Jackson) klingt, um dann im Pathos von Eye of the Tiger sportiv abzurocken. Auf das Zivilisationsmunkeln des zweiten Tracks folgt Ohio, laut Eigenauskunft eine Hommage an Crosby, Stills & Nash, »so offensichtlich und ehrlich, dass es dazu nichts zu sagen gibt«, gesungen vom Sänger der Midnight Juggernauts und mit dem minimalistischen Text: »Ohio, Tennessee, California, endlessly«, und: »Ride on«, wie einst AC/DC, aber im unbeteiligt klingenden Falsett. Dahinter steckt System: Im Studio wiesen Justice die Sänger an, möglichst ausdrucklos dazu beizutragen, dass ihre Platte wie aus einem Guss klingt. Am Ende bringt Justice-Hälfte Xavier de Rosnay das alles selbst am besten auf den Punkt: »Es ist eine Disco-Oper. Die Platte soll sowohl laid back wie country-mäßig klingen. Musik für tagsüber. Die Musik sollte emotional tiefgängig klingen, ohne aggressiv zu werden. Weich und gewalttätig zugleich.« Kurt Cobain thinks it sucks.

*

   Justice Audio, Video, Disco erscheint am Freitag, dem 28. Oktober., bei Ed Banger / Warner. Nachfolgend ist das Video zum Titelstück zu sehen und das ganze Album im Stream zu hören.

*


VIDEO: Justice Audio, Video, Disco


STREAM: Justice Audio, Video, Disco (Album)

2 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here