Jon Porras Light Divide

Jon Porras

Einladung in dunkle Hörräume: Light Divide, das neue, Le-Corbusier-inspirierte Album von Barn Owls Jon Porras erscheint am Freitag.

Der Klang des Berliner Duos Basic Channel hat seine Spuren in der elektronischen Musik bis heute hinterlassen. Rauschen, Rumpeln, Hall und Echo waren die Zutaten dieser in den Neunzigern radikalen Reduktion von Techno auf elementare Parameter. Heute hat sich dieser Ansatz längst zu einem mehr oder minder feststehenden Idiom verselbständigt. Dass er auch Drone-Spezialisten wie das Duo Barn Owl inspirieren kann, hat die Band schon mit ihrem Album V aus dem Vorjahr zu Protokoll gegeben. Damals erweiterten Jon Porras und Evan Caminiti ihr Gitarrenarsenal um diverse elektronische Geräte. 

Auf seinem jüngsten Soloalbum Light Divide hat Porras jetzt die Zupfinstrumente beiseite gelegt, um sich ausschließlich der analogen wie digitalen Klangsynthese zu widmen. Damit verschiebt sich die Zusammensetzung seiner Musik insgesamt: Statt Drone mit seinem zähflüssigen Lavastrom aus dem Erdinnern, herrscht die auf den ersten Blick diffusere Ästhetik von Ambient vor. Jon Porras wäre jedoch nicht Jon Porras, würde er sich auf luftig-schwebende Gebilde beschränken. Seine Exkursion ins gitarrenfrei Pulsend-Formlose wirkt eher wie Unterwassermusik, ein Tauchen durch endlose Höhlensysteme, in denen das Echo von den Wänden zurückgeworfen wird. Auch diesmal scheint das untergründige Rauschen von Basic Channel Pate gestanden zu haben – oder dessen Nachfolge-Label Chain Reaction. Man fühlt sich hier und da an Vladislav Delays Multila-Album erinnert, wobei Porras den Dub weg- und etwas Druck aus dem Kessel lässt. So werden die einzelnen Bestandteile durchsichtiger, ihre Beziehungen untereinander nachvollziehbar. 

Porras selbst dachte bei seiner Musik allerdings weniger an wassergefüllte Höhlenformationen als an die architektonischen Entwürfe Le Corbusiers: Das Cover von Light Divide ziert ein Detail aus Le Corbusiers Pariser Villa La Roche. Man könnte einwenden, dass Porras’ Exkursionen weit weniger statisch sind, als sein Vorbild vermuten lässt. Es ist denn auch nicht so sehr die Bewegung von Light Divide als das durchgehende Raumgefühl, das Porras erzeugt, aus dem man seine »Architektur« heraushören mag. Diese Räume sind höchst verwinkelt und detailreich gestaltet, selbst wenn sie am Ende mehr mit den – von den Bewegungen des Hörers abhängigen – Tonräumen des Klangkünstlers und Architekten Bernhard Leitner zu tun haben sollten als mit den Gebäuden Le Corbusiers. Und bei aller Dunkelheit, die darin herrscht, ist das doch Musik, die einlädt, sich im Hören zu orientieren.

Weitere Veröffentlichungen und Album-Streams dieser Woche: Efdemin Decay, Dillon The Unknown, Mac DeMarco Salad Days, Mo Kolours Mo Kolours.

JON PORRAS
LIGHT DIVIDE
THRILL JOCKEY / ROUGH TRADE
ALBUM – 28.03.2014 

Jon Porras Light Divide