Johnny Marr The Messenger

Johnny Marr »The Messenger«
Johnny Marr
The Messenger
Warner Music

Vor genau zehn Jahren erschien im Onlinemagazin Pitchfork eine vernichtende Kritik zum einzigen Album von Johnny Marr und seiner damaligen Band The Healers, Boomslang: Ohne megalomanischen, inspirierenden Frontmann sei Marr nicht in der Lage, sein großartiges Gitarrenspiel weiterzuentwickeln, die Platte klänge wie ein mittelmäßiger Abklatsch der ohnehin mittelmäßigen Soup Dragons. Man schämt sich beinahe – schließlich hat der bald 50-jährige Marr mit seinem unverwechselbaren jangly twangly Rickenbacker- und Fender-Sound unzählige schwermütige Teenager inklusive der Verfasserin dieser Zeilen durch harte Zeiten begleitet –, wenn man feststellt, dass anlässlich von Johnny Marrs erstem echten Soloalbum The Messenger die alte Pitchfork-Review fast wortwörtlich einfach noch einmal gedruckt werden könnte. 

   Die Soup Dragons als lahme Referenz sollten durch The Kooks oder The Rifles ersetzt werden, aber leider macht Marr auch 2013 wieder alles falsch. Es wirkt tatsächlich so, als wisse er nicht, was er mit seinem Talent alleine anfangen soll. »European Me« stimmt zunächst optimistisch, weil das Einstiegsriff so klingt, als begänne ein The-Smiths-Song. Leider ist das nicht der Fall, das Stück verfranst im Nirgendwo. Man macht die bizarre Beobachtung, dass der Mann, der als zeitweiliges Mitglied von Bands wie The The, Electronic, Oasis, Modest Mouse und jüngst The Cribs den Sound des Britpop bis heute maßgeblich prägt, schwächere Musik macht als seine allerschwächsten Epigonen (siehe oben). 

   Abgesehen von Songs wie »Generate! Generate!« oder »I Want The Heartbeat«, die wenigstens richtig misslungen sind, erweckt der Rest von The Messenger den Eindruck größter Ratlosigkeit, die sich in rockistischen Klischees ergeht und darin gipfelt, dass Marr versucht, zu singen wie Morrissey. Warum muss überhaupt gesungen werden? Warum baut der Mann nicht auf seine außergewöhnlichen Gitarrenskills? Marr zehrt von seinem Legendenstatus, den er gleichzeitig mit aller Kraft abschütteln will – und darüber nicht dazu kommt, gute Songs zu schreiben. Am Interessantesten ist noch der Titeltrack, der mit seinem ungelenken Discobeat an Electronic-Zeiten erinnert (in denen ja Bernard Sumner den charismatischen Frontmann gab). Ein Gutes hat The Messenger aber doch: Wenn die CD aus ist, hat man alle zwölf Songs sofort vergessen. 

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