John Wizards

Die südafrikanische Band John Wizards aus Kapstadt

Bei John Wizards, dem Debütalbum der gleichnamigen Band aus Kapstadt, Südafrika passt’s. Die Form bildet eine Unendlichkeit, der Inhalt auch: Immer ist ganz viel auf einmal da, immer federt etwas nach, ständig kommt noch ein Echo hinterher. Deshalb triggert das Werk den Eindruck eines Mixes disparater Teile ohne Pause. Erst bei genauerem Nachsehen stellt sich heraus: Einzeln titulierte Songs, Tracks und Skizzen wechseln einander ab. Die John Wizards’ setzen sogar Pausen, herkömmliche Lücken.

John Withers, der Produzent, traf einst Emmanuel Nzaramba, den Sänger. Beide hatten schon in Daressalam, Tansania sowie in Maputo, Mosambik gelebt: Millionenstädte und Hafenstädte, ebenso wie ihre derzeitige Residenz Kapstadt. Import, Export in der gleichen Mikrosekunde, das macht die Modernität des Duos aus. Am Anfang steht »Tet Lek Schrempf«: nicht bloß Anwärter auf den schön-bescheuertsten Songtitel des Jahres, nein, auch eine Exposition wie vor einer klassischen Sinfonie. Aus einer verhallten E-Gitarre schält sich ein Walzertakt, ein Kindersynthesizer übernimmt, ein Piano klimpert aus; daran schließen sich ein Animal-Collective-Gedächtnis-Arpeggio und Muschelhörnermelodien an. Hat »Tet Lek Schrempf« durch Nachlassen der Spannung kurz vermittelt, es gehe jetzt zu Ende, hebt eine Kakophonie aus mächtigem Beat und einem durchdrehenden Gitarrenmotiv an.

In der Art geht es auch weiter. »Hey John, I’m calling John«, sagt Emmanuel Nzaramba zu Beginn des nächsten Tracks, der klingt, als hätten Mount Kimbie einen äußerst gelungenen Remix für Vampire Weekend rausgehauen. Und immer so weiter und weiter bis zum Ende: Aus archaischen Instrumenten, gelierenden Produktionsprozessen, Spaß am Rumprobieren und Lust auf Pop als Stil entsteht der Unwahrscheinlichkeits-Beat.

»Jamieo« gehört deshalb zu den avanciertesten Balladen dieser Tage, mit Fingerschnippen und Schellenkranzklimpern als Rhythmusmacher und einer lächelnden Gitarre als Rüstzeug. »Limpop« hingegen ist eine Lo-Fi-Version von Juke. Auf die gleiche Weise eignen sich John Wizards auch weitere Beat-Arithmetiken und Pop-Templates an. Dazu gehören Digital Dancehall und Highlife, R’n’B und 80er-Dance-Pop. Die Imagination wirkt: Ein neuer Stil ist hier entstanden, ein Comic aus Narration und Granularsynthese. Ein kleiner Schritt für die allmähliche Popwerdung des grandiosen Bass-Labels Planet Mu. Und ein großer für die Musik zur Zeit.

Ab heute kann sich davon auch auf der Deutschlandtour der Band überzeugt werden. In Berlin tritt man dabei übrigens in der Reihe Kometenmelodien auf. Deren nächste Termine sind: Sensational meets Koyxeи (17. November), Linda Perhacs (18. November), und Selvhenter (11. Dezember).

John Wizards live
11.11. Offenbach – Hafen 2
12.11. Köln – Studio 672
13.11. Hamburg – Kampnagel
14.11. Berlin – Kantine am Berghain

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here