Jlin „Black Origami“ / Review

Die Arbeit der Produzentin Jlin steckt so voller Knicks, dass sie zum Tanzen einlädt.

Beim Plié, einer Grundbewegung des Balletts, beugen sich die Knie nach unten und nach außen. Somit entfaltet sich der Körper ebenso wie zuletzt im millionenfach geliebten Move des Dab: Während ein Arm den Ellenbogen beugt, bewegt sich der Kopf hin zum Knick; gleichzeitig reckt sich der zweite Arm in die Höhe, richtungsübereinstimmend mit dem Knick-Arm. Auch die Arbeit der Produzentin Jlin, geboren als Jerrylinn Patton und aufgewachsen in Gary, Indiana, steckt so voller Knicks, dass sie zum Tanzen einlädt. War Jlins Debüt Dark Energy noch eine Werkschau mit Tracks aus verschiedenen Epochen, so entstanden die Stücke für Black Origami allesamt in den vergangenen beiden Jahren. Jlin hat sich ausgetauscht mit Kolleginnen und Kollegen, mit dem Minimalisten William Basinski etwa das roséfarben schillernde „Holy Child“ ersonnen, ein Ambient-Stück, unterschwellig durchsetzt mit rollenden Beats. Mit Holly Herndon hat sie ebenso zusammengearbeitet wie mit Sarah Fawkes, einer kaum bekannten Soundscape-Produzentin aus Paris.

Jlin beschleunigt das Knicken.

Am signifikantesten ist die Kollabo mit Dope Saint Jude, deren Stimme zu hören ist auf „Never Created, Never Destroyed“: ein zerrissenes Teilchen, das auf dem spezifischen Swing des Trap fußt, zusammengehalten aus Synthiespritzern, hochgepitchten Rap-Samples und einem Beat als perpetuum mobile. Dichter ist, was Jlin alleine an den Geräten und den Choreografien ihrer künstlerischen Partnerin, der Tänzerin Avril Stormy Unger im Sinn hinterlässt. Das beschleunigt das Knicken. Mit den irre arrangierten Marsch-Trommeln in „Hatshepsut“, zerklüftet und ausgesandt in eine völlig fiktiv erscheinende Realität; mittels der Leerstellen von „Carbon 7 (161)“ befeuert sie die Emanzipation von der Zählzeit-Eins als Signum des Unveränderlichen, weil Wiederkehrenden. „Nyakinyua Rise“ mit derbem Schlagwerk, „Kyanite“ als Hi-Speed-Gleiten: Black Origami ist eine Einladung zum Finden der angemessenen Form, für Pliés, für Dabs, für Körperlichkeiten. Und für alles andere.

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