Jason Edwards

Es ist nicht einfach, etwas über Jason Edwards herauszubekommen, der angloamerikanischer Herkunft ist und nach Vagabundenjahren in Dublin, New York und Montreal in Pariser Bars das Banner einer drogendurchwirkten Décadence hochhält, wie sie das Ende des 19. Jahrhunderts zeitigte, das von ihrer traurig-karikaturesken Wiederkunft in Gestalt von Gothic noch nichts ahnen konnte. Edwards, so sein französisches Label mythenbildend, sei Möbeltransporteur, Französischlehrer, Dieb und Teilzeitclochard gewesen. Nach mehreren erfolglosen Bandgründungen legt er jetzt sein Solodebüt vor. Das erste, was nach dem Cover, auf dem ein grimmig entschlossen dreinblickender Edwards mit Hut inmitten ausgestopfter Füchse und Raben zu sehen ist, auffällt, ist das dunkle Timbre seines somnambulen, psychedelisierenden Gesangs. Er erinnert an Robin Williamson von The Incredible String Band und den britischen mittelalterbegeisterten Singer/Songwriter Paul Roland. Neben druggy Jazz der 60er mit schrillen Blasinstrumenten, der perkussiven Phase Serge Gainsbourgs anno 1964 (»Opium«), der leuchtenden Poesie eines Leonard Cohen, frühem Dylan, einer Prise Moondog-Minimalismus und den die Magie des Pop nie an die Avantgarde verratenden Velvet Underground sind diese beiden nicht die ungeeignetsten Referenzpfeiler, um sich der unverwechselbaren Musik Edwards’ beschreibend zu nähern. Das akustische Gitarrenspiel des modernen Troubadours bildet dabei nur die Basis dieser angenehm verwaschen auf acht Spuren aufgenommenen nokturnalen, teils ergreifenden (»When Lilacs Bloom«), teils bitterbös-moritatenhaften (»Bag O’ Bones«, »Bourbon-Ouest«) Wiegenlieder: Hippieske Flöten, die sich wie für ein Bacchanal von der Melodie emanzipiert haben, auf ein Glas Absinth vorbeischauende einsame Streicher, gelegentliche weibliche Backing-Vocals, schwindsüchtig und wie einem Munch-Bild entsprungen, sowie immer wieder ein deepes, verrauchtes Saxofon bilden den akustischen Baldachin, unter dem Edwards in seiner unvergleichlichen Mischung aus Naturmystiker, Waldgeist und Exzentriker hervorlugt, um letzte Worte zu verkünden. Ein Quäntchen Apocalyptic Folk à la Current 93 lässt sich ebenso wie ein zu graveyard-poetry aufgelegter Tom Waits als möglicher Einfluss erahnen, aber man sieht vor dem geistigen Auge auch Juliette Gréco und Jean-Paul Sartre, wie sie Edwards in lichtarmen Pariser Bars zu Drinks einladen. Wer die Vertreter jener Musikrichtung, die letzthin unter Etiketten wie »New Weird America« oder »Freak Folk« ihren Antrittsbesuch in der deutschen Presse absolvierte, mochte – Espers, Joanna Newsom, Bonnie ›Prince‹ Billy etc. –, sollte diesem Kleinod die verdiente Chance geben.

LABEL: Kill The DJ

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 06.07.2007

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