Janus‘ Traumstunde: SPEX präsentiert Ibeyi auf Deutschland-Tour

Die ibero-afrikanischen Kubanofranzösinnen Lisa-Kainde und Naomi Diaz sind Zwillinge, und wenn es um Musik geht, meist unterschiedlicher Meinung. Dennoch stehen sie als Ibeyi zusammen auf der Bühne – präsentiert von SPEX.

Miguel Aurelio Diaz, Rufname Angá, galt als einer der talentiertesten Perkussionisten Kubas, war als solcher Mitglied des erlesenen Buena Vista Social Club und Vater dreier Töchter, darunter die Zwillinge Lisa-Kainde und Naomi. Angá selbst war Kubaner mit afrikanischen Wurzeln, seine Frau dagegen hatte Vorfahren aus Spanien. Zusammen zogen sie nach Paris, wo seine Töchter aufwuchsen.

Nach dem überraschenden Tod des Vaters 2006 begannen die beiden Zwillinge sich ernsthaft für Musik zu begeistern. Die eine lernte Klavier, interessierte sich für Jazz und Komposition, die andere hörte R’n’B und HipHop und widmete sich den Elektroclubs des Pariser Nachtlebens. Trotz der mitunter eklatant divergierenden Musikgeschmäcker und Lebensentwürfe entschlossen sich beide, unter dem Namen Ibeyi zusammen Musik zu machen. 2013 wurde das Londoner Label XL Recordings auf die Schwestern aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Es folgte die erste EP Oya und zwei Jahre später das selbstbetitelte Debüt Ibeyi.

In Yoruba, einer Sprache die heute noch eine Minderheit auf Kuba spricht, und die einst mit den dorthin deportierten afrikanischen Sklaven kam, bedeutet Ibeyi »Zwillinge«. Die Namenswahl zeigt die gedoppelte Programmatik, die hinter dem Projekt der beiden steht. Einerseits ist er ein Verweis auf ihre afrikanisch-kubanischen Wurzeln und bezeugt den Versuch, aus der kulturellen Diversität ihrer Biografien eine musikalische Identität zu schmieden.

Andererseits zeugt das Motiv des Zwillingshaften von dem Einfluss ihrer ganz persönlichen, konfliktreichen Beziehung zur Musik von Ibeyi. Zwei diametrale Pole, aber doch miteinander verwandt. Ibeyi, so könnte man als fahrlässiger Dialektiker nun deuteln, stellen sich der alten Suche nach der Identität von Einheit und Verschiedenheit. Hegel-Pop also, auf dem Weg zur absoluten Weltmusik? Oder doch eher Jambalaya-Dubjazz? Im Dezember kann man das selbst entscheiden, wenn Ibeyi für vier Konzerte nach Deutschland kommen.

SPEX präsentiert Ibeyi live:
09.12. Hamburg – Mojo
11.12. Berlin – Kesselhaus
12.12. Köln – Kantine
13.12. München – Technikum

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here