James K

James K
Krasner auf dem Cover ihrer RUM EP

James K ist schwer zu fassen und will es auch so. Ihre Musik operiert jenseits jeglicher Genres, schon jetzt kommt die 24-Jährige auf eine lange Liste an Projekten, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden sind. Ihr Beitrag meistens: ihre Stimme. Darauf angesprochen zündet sich Jamie Krasner, wie James K mit bürgerlichem Namen heißt, erst mal eine Zigarette an und schaut sich ein wenig in ihrer Wohnung auf New Yorks Lower East Side um.

Ihre Stimme?

Ja, die sei ihr wichtigstes Instrument, kein Zweifel. Krasner hat das erst durch die Kollaboration mit anderen Künstlern herausgefunden. »Ich kann ja nicht alles allein auf die Beine stellen«, sagt sie, »all die verschiedenen Einflüsse zusammentragen und dann auch noch die Musik aufnehmen.«

Geteilte Arbeit wird ab einem gewissen Punkt notwendig, um ein Projekt auf die nächste Ebene zu  heben – die Ebene, die sich Krasner für ihren Sound als Solokünstlerin ausmalt. Auf Musik im Singular liegt aktuell ihr Augenmerk: »Heute kollaboriere ich vor allem mit mir selbst. Mit meiner Stimme, denn die ist ohnehin das vielseitigste Instrument, das es gibt«, lacht sie und zündet sich die Zigarette zum zweiten Mal an.

Hört man sich Krasners kürzlich erschienene Debüt-EP als James K, Rum, genauer an, kann man dieser Einschätzung nur beipflichten. Der ätherische Experimental-Pop darauf ist durchsetzt mit verschiedenen Versionen ihrer Vocals, die sie zu Hause aufnimmt und durch allerlei Effekte verfremdet. Krasner setzt ihre Stimme als Rhythmus, Textur und natürlich als Lead-Gesang ein. Dadurch haftet ihren Songs stets etwas Collagiertes an, sie klingen nach einem Mash-up aus ihren eigenen Möglichkeiten und den Einflüssen der Nebenprojekte. »Das Konzept der Collage beeinflusst mich sehr«, antwortet die Absolventin der Rhode Island School Of Design beinahe von selbst. In der Freien Kunst ist Krasner schließlich schon fast genauso lange aktiv wie in der Musik.

»Früher dachte ich, das seien zwei verschiedene Aspekte meines Lebens, heute ist es mir wichtiger denn je, beides zusammenzuführen.« Zu dieser Erkenntnis ist Kranser mit Hilfe ihres Jugendhelden Beck Hansen gelangt: »Ich war fasziniert von seinem Spagat zwischen visueller und klanglicher Kunst.«Tatsächlich scheint dem bekennenden MTV-Kid Krasner die visuelle Komponente der Musik ebenso wichtig zu sein wie der Klang. Während sie noch an ihrem für dieses Jahr geplanten Debütalbum arbeitet, ist das Artwork längst fertig. Zu jedem Song soll es ein Video geben, natürlich selbst produziert. Die Ideen? Stehen schon. »Es geht mir darum, eine Mythologie um die Musik zu schaffen«, gibt Krasner etwas verschämt zu. »Wenn man auf der Bühne steht und singt, ist man ohnehin so etwas wie ein Mythos.« Krasner will diesen Teil ihrer Arbeit in Zukunft intensivieren. 

»Ich möchte ein Paralleluniversum aufbauen, das James-K-Universum.«

James K tritt heute Abend zusammen mit Gobby und Low Concept im Chesters, Berlin, auf. Dieser Artikel entstammt SPEX N°351 (SPEX-Shop), die sich aktuell im Handel befindet.