Isolation Berlin

Isolation Berlin by Noel Richter

Kummer bei die Fische: Die junge Band Isolation Berlin hat mit »Aquarium« einen der ungewöhnlichsten Pop-Songs der Saison geschrieben und nun ihre Debüt-EP veröffentlicht. Ein Ortsbesuch.

Überschaubares und intimes Zusammensein bei Bier und Bratwurst herrscht im Vorhof eines Jugendzentrums nahe dem Mauerpark. Es ist ein sonniger Freitagnachmittag. Die Szenerie hat dabei mehr was von Angrillen mit Freunden als von der vorne am Eingang hastig auf einem Pappkarton titulierten Recordreleaseparty der Proto-Pop-Band Isolation Berlin, die Poster und T-Shirts am Merchstand sind professionell und schick hergerichtet, bereit für den schnellen Erwerb, ebenso wie ihre erste CD, die EP Aquarium. Es wird gelacht und getratscht, der Duft von Fleisch, Gemüse und Sterni liegt in der Luft.

Der DIY-Charakter stellt hier Unberührtheit einerseits und viel Hingabe zur Sache selbst andererseits in einen originellen Kontrast. Beispielhaft dafür steht das Video zum Titelstück der EP, in dem Sänger Tobias Bamborschke durch Berliner Straßenzüge streift und wehmütig die Einsamkeit besingt. Seine Ausstrahlung schenkt dem Stück in Inhalt und Komposition Glaubwürdigkeit, auch wenn er nicht wirklich im Aquarium war, wie er im Gespräch offenbart. Statt sich tatsächlich von den Fischen von seiner Traurigkeit ablenken zu lassen, setzte Bamborschke sich in die Gedächtniskirche und schrieb dort den mittlerweile zu Wandschmuck gewordenen Liedtext. So holt er das Verpasste im Song faktisch nach.

Kombiniert werden die Zeilen jedoch mit eher gutlaunigen Akkorden. Doch der Herzschmerz zieht sich als Leitmotiv durch die EP und so kommt auf den ersten Blick vor lauter Trübsal Blasen die Durchsetzungsfähigkeit ein bisschen abhanden. Live kann das Quartett, das schon im Vorprogramm von Doctorella auftrat, aber auch anders. Stücke wie »Prinzessin Borderline« oder das selbstbetitelte »Isolation Berlin« versprühen Biss, kratzen.

Tobias Bamborschke schildert frühere Bandintermezzos: »Um Werwölfe und Höhlenmenschen ging es da, immer auf Englisch. Mit der Band hab ich mich dann verkracht und zur selben Zeit auch von meiner Freundin getrennt.« Momente, die er in Gedichten verarbeitete, welche als Wegbereiter für spätere Songtexte dienten. Auf Rat einer Bekannten lernte er Max Bauer kennen, inzwischen wahlweise Leadgitarrist und Keyboarder bei Isolation Berlin. Zusammen wollte man eine Band auf die Beine stellen und möglichst schnell Musik veröffentlichen, die einen als Musiker repräsentiert. So steht die EP bereits, bevor das Bandgefüge in seiner jetzigen Formation mit Bassist David Specht und Schlagzeuger Simeon Cöster zusammengefunden hat.

Derzeit arbeiten Isolation Berlin bereits an ihrem Debütalbum. Einen Tick roher und dreckiger wird es wohl werden, denn so klingen die aktuelleren Stücke beim JuZe-Auftritt. Der schlimmste Liebeskummer scheint überwunden, etwas Schmutz tröpfelt in den Fischtank. Neues Futter für seine Bewohner.