„Huillet und Straub waren Punk“ – die Kuratoren der Retrospektive im Interview / Verlosung

Tobias Hering und Annett Busch, die Kuratoren von „Sagen Sie’s den Steinen – Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub“ / Foto: Antonia Weiße

Gegen den Film als Konsumprodukt haben sich Huillet und Straub gewehrt. Welche Rolle kommt der Arbeit der Zuschauers zu?
TH: Sie haben sich sowohl von der Konsumindustrie als auch von dem Wort selbst abgegrenzt. Zuschauer sind bei ihnen Nutznießer, Genießer, vielleicht auch Suchende und Findende. Konsum ist aber im Wortsinn Zerstörung: Consumare heißt im Lateinischen verbrennen oder vernichten.

AB: Es gab ja auch mal die Verschiebung hin zum „produktiven Konsumenten“. Dass der Konsument immer Teil einer passiven oder verbrennenden Geschichte ist, stimmt nicht unbedingt. Es wurde immer wieder versucht, eine Aktivierungstheorie darin zu sehen. Uns war es wichtig, die Filme auch im Kino zu zeigen, also an Orten, die man mit Unterhaltung verbindet. Nicht in einer Cinemathek, nicht Hochkultur.

Und wie radikal ist das Werk von Huillet und Straub heute noch?
AB: Mehr denn je. Natürlich ist das keine Radikalität im Sinne eines Riot-Porn, keine Radikalität, die sich in der Geste erschöpft, indem sie möglichst nah an der action ist. Das Event selbst wird durch den Film hergestellt, durch eine politisch, ethisch motivierte Form, ohne Formalismus zu sein. Das sind für mich wesentlich interessantere Radikalitätsformen.

„Punk drei Schritte weitergedacht.“
Annett Busch

TH: Radikal auch deswegen, weil sie etwas ganz einfaches mit den Grundelementen des Kinos machten – das reicht im Grunde schon. Es ist schwierig genug, wirklich zu verstehen, was es bedeutet, zu sehen und zu hören. Radikalität durch Vereinfachung… Annett hat mal gesagt: Eigentlich waren Huillet und Straub Punk. Wir haben das dann weitergesponnen – Mark E. Smith, Mouse On Mars… Auch bei Huillet und Straub gibt es diese stoische Resistenz – oder vielmehr Renitenz.

AB: Punk drei Schritte weitergedacht. Eine ziemlich komplexe und zugleich radikal einfache Provokation.

Apropos Mouse On Mars: Was hat es mit ihrer und Astrid Ofners Antigone-Inszenierung auf sich?
TH: Wir wissen auch noch nicht viel mehr! In dem Fall war es ein absoluter Würfelwurf. Jan Werner verbindet viel mit dem Film Antigone, und am liebsten wollte er etwas mit Astrid Ofner machen, die im Film die Antigone spielte.

AB: Alle, auch Astrid, hatten Lust darauf. Sie kennt den Text noch immer auswendig, sie hat damit ja auch wirklich viel Zeit verbracht. Interessant ist, dass die Stimme bei der Inszenierung nicht als Gesang, sondern als Stimme oder performativer Akt reinkommt. Ich bin sehr gespannt, was sie daraus machen.

Sagen Sie’s den Steinen – Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
14.09. – 19.11. Berlin – Akademie der Künste u.a.
Weite Infos zur Ausstellung gibt’s hier.

SPEX verlost 2×2 Tickets für die Uraufführung der musikalischen Inszenierung des Antigone-Skripts von Mouse On Mars und Astrid Ofner. Um teilzunehmen, einfach eine Mail mit dem vollständigen Namen sowie dem Betreff „Mouse On Mars“ an gewinnen@spex.de senden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here