Haus der Kulturen der Welt – Eröffnungsmarathon

HKWEin Jahr lang war es ruhig im Haus der Kulturen der Welt, in der »schwangeren Auster«, jener vor fünfzig Jahren von Hugh Stubbins Jr. schwungvoll in die Umgebung des Berliner Tiergartens eingefassten Design-Leistung. Die Wiedereröffnung nach den langen Renovierungsarbeiten wird ab dem 23. August gefeiert. Das dazugehörige, sich über zwei Monate verteilende Programm dürfte dafür sorgen, dass das Haus der Kulturen der Welt auch in Zukunft maßgeblich am Kulturtransfer zwischen Deutschland und dem Ausland beteiligt sein wird.

Schon das Eröffnungswochenende vom 23. – 26. August markiert den Umfang von »New York – States of Mind«. Bis spät in die Nacht hinein portraitieren Musik, Performances, Predigten, Radioprojekte und Ausstellungen das weite Feld der verschiedenen amerikanischen Kulturen, der Einwandererstadt New York mit all ihren ethnischen und kulturellen Eigenheiten. Dass diese 72 Stunden dabei nur an der Oberfläche kratzen können versteht sich von selbst. Bis zum 04. November wird der Stadt daher in alle Lebensbereiche nachgegangen. Dazu später mehr.

Aus dem Eröffnungs-Programm hervorzuheben sind sicherlich »Reverend Billy and the Church of Stop Shopping«, die mit Gottesdiensten auf öffentlichen Plätzen Konsumkritik predigen. Die Klangstudien von Chase Granoff & Jon Moniaci in »Boredom!!! (As an Amplifier)« geben verstörende Einblicke in avantgardistischen Noise. Julie Tolentino wird von Donnerstag auf Freitag eine 24-stündige Tanzperformance präsentieren – mit verbundenen Augen. In »Silent Shorts – Stummfilme der frühen amerikanischen Avantgarde« werden Filme von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu den dreißiger Jahren gezeigt. Ebenso ein Highlight: Die »New York Nightlife Reloaded«-Party in der Nacht vom Samstag mit Hans Nieswandt, Boris und Eric D. Clark. Ein Programm so vielseitig und dynamisch wie New York selbst.

In den folgenden Wochen und Monaten werden diese breit gefächerten Themengebiete in überschaubare Blöcke gefasst. Alleine im Konzertprogramm seien erwähnt: »El Barrio« zeichnet von Mitte August bis Anfang September das Leben der lateinamerikanischen Communities und deren Musiken nach (u.a. mit Tony Touch, Joe Bataan, Henry Chalfant, uvm). »Broadway« präsentiert ab Anfang Oktober exklusive Auftritte von Jimmy Scott, Maria Muldaur und Masha Qrella. Jeff Lewis – einer der musikalischen Kuratoren von »New York – States of Mind« tritt exemplarisch für die junge Folkszene des Greenwich Village auf. Richie Havens wiederum spielt am 13. Oktober die klassischere Auslegung New Yorker Folk-Musik.
Eine Anmerkung am Rande: Kuratiert wurde das Musikprogramm von Detlef Diederichsen, Jeff Lewis und Christoph Twickel.

Einen kompletten Überblick bietet neben der Webseite auch das vor Ort erhältliche 60-seitige Programmheft. Darin werden auch die zusätzlich zu dem Musikimport verhandelten Themenbereiche wie Literatur, Politik, Fluxus und Film verhandelt.

»New York – States of Mind«
23.08. – 04.11. Berlin – Haus der Kulturen der Welt

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