Hair Police

Der amerikanische Noise-Underground erfreut sich in einschlägigen US-Musikmagazinen großer Beliebtheit. Bands und Musiker wie Prurient, Wolf Eyes oder Burning Star Core genießen für ihre eigenwillige Fusion aus Rockmusik, Black Metal, Free Jazz, Noise und Industrial mittlerweile Kultstatus. Geprägt durch eine starke »Do it Yourself«-Ästhetik, verteilt die Szene ihre Tonträger über eine Infrastruktur von Kleinstlabels, die den Heimcomputer zum Presswerk erklärt haben und in Form von selbstgebrannten CD-Rs das klangliche Material in limitierter Stückzahl samt Coverartworks aus Eigenanfertigung vertreiben. »Noise is the new Punk« behauptete Thurston Moore vor kurzem und das alljährlich ausverkaufte New Yorker No Fun Festival, der Treffpunkt der wichtigsten Protagonisten der amerikanischen Noise-Szene, spricht da ebenso für sich. Wie all die Jahre zuvor gastierte dort auch die Band Hair Police um die Musiker Mike Connelly (Wolf Eyes, Failing Lights), Trevor Tremaine (Death Unit, Burning Star Core) und Robert Beatty (Sick Hour, Burning Star Core). Während Hair Police eigentlich einen kruden Noise-Rock zelebrieren, durch dessen drahtige Adern das Powerplay des Free Jazz und die Verspieltheit elektro-akustischer Musik fließen, tauschen sie auch ab und an ihr Instrumentarium aus Schlagzeug, Bass und Synthesizer gegen selbstgebaute analoge Effektgeräte, staubige Tapemaschinen und kurzgeschlossene Alltagselektronik aus.
    »The Empty Quarter« dokumentiert diese stilistische Stoßrichtung, die bereits auf dem Album »Drawn Dead« eindrucksvoll zur Schau gestellt wurde. Erneut lassen Hair Police zähe Klangmassen subharmonischer Frequenzen aufeinanderprallen, die rumpelnd, fauchend und zischend, wie ein unaufhaltsamer Lavastrom, in maliziöser Langsamkeit  alles zu vernichten scheinen, was sich ihnen in den Weg stellt. Quietschende Interferenzen durchsetzen die voluminösen Basstöne aus denen verrauschte Vocals in paranormaler Prägnanz entspringen. Mit Noise im klassischen Sinne hat das Ganze nichts mehr zu tun, eher mit dessen Pervertierung hin zu einer individuellen Form lärmender Tonkunst, wie sie in ihrer ungeschliffenen Schlagfertigkeit nur aus den Kellern Amerikas kommen kann.

LABEL: Harbinger Sound / Troubleman Unlimited

VERTRIEB: Import

VÖ: 17.05.2007

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