Great Lakes

Wieder eine Band, bei der man erst mal einiges klarstellen muss. Erstens: Die Great Lakes sind nicht die Great Lake Swimmers. Die Great Lakes stammen aus Athens, Georgia, existieren bereits seit 1990 und haben bisher zwei weithin unbeachtete Platten gemacht. Sie lassen sich dem bekannten Elephant-6-Umfeld (Beulah, Of Montreal, Elf Power, Essex Green, Apples in Stereo etc.) zurechnen, sind also vermeintlich ein weiterer Garant für schlauen, amerikanischen Indiepop.
Zweitens: Die Great Lakes sind keine Camper-van-Beethoven-Nachfolgeband, auch wenn sie durchaus so klingen. Besonders die Stimme von Ben Crum, Gitarrist und Sänger dieses losen Trios (am Schlagzeug wechseln sich drei Experten ab) klingt sehr wie die des großen David Lowery. Auch sind die Great Lakes sehr von Americana geprägt: viele Stücke klingen wie in einem sanft geschaukelten Pferdewagen oder auf einem Boot in Louisiana geschrieben. Wo aber Camper Van Beethoven Humor und eine Fiedel hatten, haben die Great Lakes einen wohltuenden Ernst und ohne Scheu ein Saxofon, das sich hier ab dem vierten Stück leise in die sonst von Gitarren dominierte Musik einschleicht (von dem Synthie-Getöse im Intro darf man sich übrigens nicht täuschen lassen).
Was noch? Die Great Lakes haben natürlich einen Haufen netter Songs, wie so viele Bands heutzutage. Der Hit der Platte heißt »Farther«, was so viel heißt wie »noch weiter«, in einer guten Nacht wird das Stück auch mal in der Indiedisko laufen oder auf dem Piratensender deines Vertrauens. Der Rest der Platte ist solide Nettigkeit, gut konventionelles Songwriting, einige eher läppische Gitarrensoli, die zu sehr nach der Gesangslinie gehen, und die sanft angenehme Stimme Ben Crums. Die Welt wird sich, so steht zu befürchten, ein weiteres Mal nicht groß drum scheren. Vielleicht auch zu Recht.

LABEL: Track & Field Organisation

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.05.2007

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