Gentleman

Unzählige liebesbeseelte Massenräusche zwischen Negril und Nürburgring, kaum weniger Kaiser-Combinations mit der gesamten Herrscherkaste der Neo-Roots-Bewegung, zwischenzeitliche Alleinverantwortung für den Spaß in der Buchhaltung seines Labels Four Music, kurz: Die Vita des Tilmann Otto kann sich sehen lassen. Seine größte Errungenschaft aber war eine schleichende und findet sich in keiner Jubelrede der Plattenfirma: Neun Jahre nach »Tabula Rasa« sollte sich auch der hinterletzte Stadtmagazinschmierfink nicht mehr nach den tieferen Zusammenhängen zwischen seiner Osnabrücker Herkunft und diesem ganzen Jah-Kram erkundigen.

    Das liegt mit Sicherheit daran, dass ein gepflegter Rewind mittlerweile in jeder mitteldeutschen Kleinstadt zu den vertrauten Ritualen zählt. Vor allem aber dürfte eine Rolle spielen, dass Gentleman spätestens mit dem Kassenschlager »Confidence« aus dem Jahre 2004 einen ganz eigenen Stil etabliert hat, in dessen Kontext seine Erzählungen vom »Pursuit Of Happiness« im Allgemeinen und dem »Mount Zion« im Speziellen eine ganz vollkommene, in sich selbst ruhende Natürlichkeit bekommen haben. Die klassischen dramaturgischen Regeln der Dancehall nämlich hat er fast vollständig durch minutiöse Arrangements ersetzt, die er zumeist mit einem beinahe trancigen, zumindest aber europäischen Harmonieverständnis, subtilen Abfahrtsmomenten und charakteristischen Adlibs (»Boom«) füllt.

    Dass dabei auch bei vergleichsweise formelhafter Anordnung des üblichen Befreiungsvokabulars ganz große Momente rausschauen können, bewies er erst kürzlich auf Nosliws »Liebe« – und beweist er nun erneut auf seinem vierten Studioalbum »Another Intensity«. Nennenswerte Unterschiede zum Vorgänger lassen sich auf den 13 Trackskizzen, die Gentleman dem Rezensenten vor dem letzten Voicing-Trip nach Jamaika überließ, nicht ausmachen; alleine »Mount Zion« lässt einen dezenten Hiphop-Einfluss erahnen. Doch dürften Tunes wie »Soulfood«, »Hosanna« oder der designierte »Dem Gone«-Nachfolger »Tranquility Acoustic« Gentlemans beispiellosen Run problemlos um mindestens zwei Festivalspielzeiten verlängern. Und mit der Reanimation von Diana King auf dem ohnehin fantastischen »Light Within« ist ihm sogar ein kleiner Überraschungscoup gelungen. Für alles weitere siehe Mavados »Gangster for Life«.

LABEL: Four Music

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 24.08.2007

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