Gemeinsames Interview von Jan Delay & Marteria

Jan Delay & Marteria
FOTO: Amos Fricke

»Man muss Nein zu dreckigem Geld sagen.« SPEX hat Jan Delay und Marteria für ein gemeinsames Interview zusammengebracht, um über die Verflechtung ihrer Karrieren, Rap-Musik heute und den Kommerz zu reden.

»Wahlverwandtschaften« heißt die neue Interview-Serie in SPEX, bei der immer zwei miteinander verbundene Künstler aufeinandertreffen. In der April-Ausgabe sind das Jan Delay & Marteria. Ersterer bringt demnächst sein neues Album Hammer & Michel heraus, Letzterer veröffentlichte vor kurzem Zum Glück in die Zukunft II und sagt im Gespräch mit Delay und Torsten Groß über das bahnbrechende Beginner-Album Bambule: »Es war natürlich extrem wichtig. Die deutsche Rap-Szene war ja damals territorial aufgeteilt, mit den Frankfurtern, den Stuttgartern und den Hamburgern – und wir waren ganz klar hanseatisch orientiert in Rostock. Bambule war der Vorreiter, aber dann kamen Eins Zwo, Doppelkopf, Der Tobi & das Bo … Das war genau der Humor, den wir als Rostocker verstehen konnten.«

Heute macht Jan Delay aber erst einmal ein Rock-Album, wobei dieses fast gescheitert wäre, wie er berichtet. Warum also der ganze Stress? »Ich bin ein totaler Nerd, mir macht das Spaß, in diesen Genres zu forschen. Es wäre langweilig, mit dieser Band jetzt noch mal Funk zu machen, das haben wir durch. Dann hals ich mir lieber die Arbeit auf, ein für uns total neues Genre zu erforschen.« Am Ende gingen die Aufnahmen sogar schneller voran, als die im gleichen Zeitraum stattfindenden Arbeiten an einem Beginner-Album.

Für die Rückkehr der Beginner vor drei Jahren macht Delay dann wiederum seinen Interviewpartner (mit-)verantwortlich: »Man muss sich einfach mal reinziehen, dass es von 2000 bis 2010 kein einziges komplettes Rap-Album gab, das uns krass weggeflasht und inspiriert hat. Nach Dynamite Deluxe kam einfach: nichts! Es gab natürlich immer mal wieder gute Rapper und geile Songs, aber ein richtig derbes Album gab es nicht – bis Marteria kam.« Und den kontaktierte der Hamburger dereinst via Myspace und nahm den damaligen Nachwuchsrapper mit auf Tour. Heute sind die beiden mehrmals miteinander aufgetreten und haben u. a. den Song »Wie mach ich dir das klar?« eingespielt.

Klarmachen wollte Marteria auch so manches mit ZGidZ II, nämlich, dass es »in einer Zeit, in der alles so peaceful und politisch korrekt erscheint und man in Deutschland gerne mit dem Finger auf andere zeigt«, es wichtig sei, »auch mal ein paar Sachen zu hinterfragen und zu sagen, dass eben nicht alles so toll läuft hier. Ich wollte die Öffentlichkeit, die ich durch die Hits (wie ›Lila Wolken‹) bekommen habe, auszunutzen, um ein Statement abgeben zu können.« Der Song »Bengalische Tiger« sei entstanden, als er in Uganda den Tränengaseinsatz der Polizei gegen Studentenproteste miterlebte.

Es sind Botschaften, die Marteria nicht durch Werbekampagnen, wie sie etwa jüngst bekannte Kollegen und Vorbilder für McDonalds gemacht haben, aushöhlen will: »Wir haben so unfassbar viele Angebote auf dem Tisch liegen, die oft mit extrem hohen Summen verbunden sind, wo man einfach auch ganz klar die Stärke braucht, Nein zu sagen. Weil das dreckiges Geld ist. Das verbindet Jan und mich. Und wenn wir dann doch mal irgendwann beide im Dschungelcamp sitzen sollten, dann erschießt uns bitte.«

Wie weit das Beginner-Album wirklich ist, warum sich der aktuelle Rap-Hype bald überheizen wird und welchen Einfluss Udo Lindenberg auf die beiden hatte, ist neben vielen weiteren Themen in der neuen SPEX-Ausgabe N°352 nachzulesen, die ab Donnerstag am Kiosk und schon jetzt im SPEX-Shop erhältlich ist.