Fotos

Zu den Zeiten ihres ersten Albums waren die Fotos unbekümmerte Jungs, die einfach machten, darüber nicht viel nachdachten, und aus dem Nichts ein Album mit zehn perfekten Indie-Pop-Songs ablieferten. Die Promo-Fotografie des Nachfolge-Albums zeigt die Band nun im schwarzen Anzug. Wie diese Pose geschieht alles auf »Nach dem Goldrausch« sehr wohlüberlegt.

    Die neuen Songs sind keine scheppernden Gitarrenbretter, es sind ausgetüftelte, cleane Studiokreationen zwischen fast-schon-funkig und noch-nicht-wirklich-rockig. Man hört Phoenix, R&B und Synthesizer. Am überraschendsten klingt das Titelstück »Nach dem Goldrausch«: ein breites Gitarrenriff, das Schlagzeug ein Diskobeat, atmosphärische Background-Chöre, der warme Lead-Gesang ganz weit vorn. Der neue
Stil der Fotos funktioneirt im Midtempobereich beim lässig verspielten Shuffle von »Ich häng an dir und du hängst an mir« genauso wie bei der souligen Slowmotion-Klavierballade »Ein Freak und ein Spinner«. Tom Hessler rückt hier nur noch per Kopfstimme zu Leibe und schmachtet im Refrain: »Wenn wir uns berühren / kann das Schiff versinken«.

    Überhaupt: seine Texte tragen eine neue Qualität des feierlichen Zorns (»Das ist nicht was ich will«), der achselzuckenden Resignation (»Nach dem Goldrausch«), der groovenden Frustration (»Serenaden«) und der hoffnungslosen Romantik (»Ein Versprechen«). Zwischen real erlebter Desillusion und der Illusion auf Besserung bewegen sich die Fotos noch viel mehr auf einer Gratwanderung und stilisieren sich als Schicksalsgemeinschaft von Underdogs, die voll des Idealismus ihren Widerstandskampf gegen eine kaputte Welt führt.

    Die Bilder, die Hessler dabei wählt sind von genialer Schlichtheit, so drastisch-makaber, dass einem das Blut in den Adern gefriert: »Ein kalter Frühling weckt die Bäume / Unter weitem klarem Himmel / In den verlassenen Kaffeetassen / gedeiht gelassen grüner Schimmel« singt er in »Fotos« und weiter: »Hier rennen keine wilden Pferde mehr / Ein Arzt kam, um sie zu erschießen«. Die Tatsache, dass Hessler das Gros der Texte erst in allerletzter Minute verfasst hat – als die Songs längst standen – wertet sie noch zusätzlich auf. Was sie abwertet ist das hohe Maß an Selbstreferentialität und das dauernde Genöle über den Alltag einer jungen  Band, die erstmals mit den Strapazen und der Monotonie des Tour-Lebens konfrontiert wird (»Essen, Schlafen, Warten und Spielen«).

    »Nach dem Goldrausch« bietet einen durchaus interessanten musikalischen Ansatz, den ein oder anderen guten Song, und doch fehlt letztlich die Originalität. Das verdeutlicht nicht zuletzt der Umstand, dass der Titeltrack noch einmal als sanft-swingende »Alternative Version« unter anderem Namen (»Kalifornien«) als letztes Stück auftaucht. Wenn die B-Seiten schon für’s Album herhalten müssen, kann das nichts Gutes bedeuten.

LABEL: Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 28.03.2008

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