Finale Fantasien

Final FantasyWhat a day for a daydream! Die Sonne strahlt, und unsichtbare Seetangfähnchen ziehen durch die Gassen von Intra Muros, dem Kern der Korsarenstadt St Malo. Während die großen Namen des Route Du Rock in freier Luft auf dem Gelände eines Forts des 18. Jahrhunderts spielen, werden im Stadtzentrum zwei weitere Orte bespielt. Direkt am Strand legen diverse DJs und Soundsystems auf, und im Palais Du Grand Large mit seinem Theatersaal gibt es einen Platz, der wie ersonnen ist für ein Final Fantasy-Konzert.

Denn Owen Pallett ist seine eigene Band, sein eigenes Orchester und sein eigener Laptop, an diesem Freitagnachmittag gegen 17.30h steht er nur mit Keyboard, Violine und einem halben Dutzend Effektgeräten auf der Bühne. Er wirkt zugleich liebenswürdig und Distanz haltend. Und die steile Architektur des Palais du Grand Large ermöglicht es dem Publikum besonders auf den Balkonen, noch in ziemlicher Entfernung dem Multi-Instrumentalisten nahe zu sein. Oder in ziemlicher Nähe doch auch ganz weit weg, es ist so eine Mikroskop-Affäre. Sein Auftritt pupst Wolken, und so lautet ja auch der Titel eines Final Fantasy-Albums: »He Poos Clouds«. Pallett arrangiert ohne jede Mühe Loop um Loop aus einmal gespielten Violinen-Sequenzen, die er schließlich per Pedaldruck verschleift. Himmlische Harmonien lässt er auf Dissonanzen zuschweben, er kann es kammermusikalisch, macht den Barock und singt Popsongs. Das Restpublikum mag es auch. Kairos ist, wenn alles im richtigen Moment aufeinander trifft, und Final Fantasy spielt seine leichte Musik an einem leichten Tag, trägt ein gestreiftes Shirt in der Bretagne, gleicht der Opulenz seiner Musik mit einer Freude bereitend schlichten Lichtregie aus und … Einer der schönsten Momente.

SonicYouth    Einige Stunden später zeigt sich dann im Fort, dass Sonic Youth doch längst nicht so viele Leute anziehen wie es gestern noch die Smashing Pumpkins taten. Heute werden es wie am ersten Festival-Tag so um die 5000 Leute sein, und sie sind offensichtlich wegen der New York-Geschichte gekommen heute. Frenetisch wird Albert Hammond, Jr bejubelt, der auch schon ein paar ordentliche Lieder singt, aber mit seiner Band doch etwas überroutiniert wirkt. Talking of which: Sonic Youth spielen »Daydream  Nation«. Und es ist eine sehr merkwürdige Erfahrung, über die es sich lohnt, noch einmal etwas nachzudenken. Wie es im Moment wirkt: Sonic Youth spielen das alles mit, sie spielen nicht nur ein zwanzig Jahre altes Album nach, als wären sie in ihrer eigenen Karaoke-Bar. Sie spielen auch die Band Sonic Youth, die spielt, dass sie ein zwanzig Jahre alt werdendes Album spielt. Supercool natürlich. Und ganz banal erinnern einige Songs auch einfach daran, dass sie halt einfach irre Songs sind. Insgesamt ist dieser Auftritt doch einiges mehr, eine smarte Performance von einem Leben mit Musik.  Und danach kommen auch noch einige neuere Songs, und Mark Lanegan unterstützt die Band dabei.

    Obwohl hinterher noch LCD Soundsystem spielen werden, stöbert danach alles auseinander. Gut die Hälfte der Leute verlassen mit dem Ende von Sonic Youth das Gelände, und so müssen die Franzosen Turzi erst einmal mit der neuen Situation klarkommen. Dabei spielen sie angenehm weirden Hypno-Kraut-Pop. Ein Soundtrack für die Heimfahrt auch. Merci pour la musique.

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