Mut der Biedermeier: Die Fantastischen Vier veröffentlichen eine neue Single

Breaking news: Die Fantastischen Vier veröffentlichen die erste Single vom kommenden Album Captain Fantastic – und sie ist gut! „Endzeitstimmung“ ist Parolen-Pop-Punk, der sitzt.

Vier wohlhabende Männer um die Fünfzig springen in einem augenscheinlich sparsamen Musikvideo durch die Gegend, sehen aus wie eine alternde Metalband und rappen über soziale Gerechtigkeit – so weit, so deutscher HipHop. Bemerkenswert ist, dass es sich dabei um die vier Millionäre handelt, die zusammen die bis heute die konsensigste aber auch meistpolarisierende deutschsprachige Rap-Truppe der vergangenen 25 Jahre sind: Die Fantastischen Vier.

Dass Michi Beck, Smudo, Thomas D und (eine Wikipedia-Suche später) And.Ypsilon damals Recht und Berechtigung mit ihrem Pop-Rap hatten, steht in Zeiten von Chimperator, Deluxeboxen und hohen Chartplatzierungen für deutschen Rap außer Frage. Doch was haben diese bräsigen Herren heute noch zu erzählen? Einiges, wie „Endzeitstimmung“, der ersten Single von ihrem jüngst angekündigten Album Captain Fantastic, zeigt. Die vier haben alles erreicht und deshalb wohl keinen guten Grund mehr, auf politische Kante und musikalische Experimente zu verzichten.

Der Beat klingt wie „Them Changes“ von Buddy Miles – gespielt von den Beatsteaks mit Bläsern. Nun ja, okay. Doch zumindest textlich ist „Endzeitstimmung“ bissiger als jeder bisherige Zwischenruf der Band. Der Song richtet sich gegen Wutbürgertum, gegen „Vollidioten“ und für ein offenes Mittelmeer. Wobei Phrasen wie „Reich gegen Arm / Arm gegen Reich / Hunger und Durst gegen Geiz“ natürlich keine tiefschürfenden Analysen des Status Quo sind. Trotzdem: Von einer Biedermeiertruppe wie den Fantastischen Vier sind solche markigen Aussagen aber zumindest ein kleines bisschen mutig.

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