Fake Empire, und alle singen mit

The NationalDer erste Abend beim La Route Du Rock in St Malo brachte eine Überraschung, denn The National hatte ich mir zwar als Band für den kleinen Club vorstellen können, nicht aber als Crowd Mover und Stage Diver. The Go! Team dagegen…

Nun, zunächst hatte ich trotz halb fünf morgens Aufstehen wegen der langen Zugreise Anna Ternheim verpasst, sie saß schon hinter der Bühne und gab im Liegestuhl Interviews, während der wilde bretonische Regen auf das Festivalgelände niederprasselte. Unterdessen spielte Elvis Perkins, dessen Songs ich, zumindest noch mit ICE- (die neue Strecke Saarbrücken-Paris geht ziemlich ab) und TGV-Tempo 320 im Kopf, als etwas zu gediegen empfand.

Ganz anders dagagen Herman Düne, die man sich ja eigentlich auch nicht
vor geschätzten 3000 Leuten vorstellen mag. Sie spielten ein ungewohnt straightes Set mit ein wenig älterem Zeug. Dennoch wurde ihr Auftritt getragen von »Giant«; Höhepunkte kommen bei so einem riesigen Menschenauflauf durch die Hits auf: zunächst ein rockiges »I Wish That I Could See You Soon« und dann, zum Schluss, das wundervolle »Take Him Back To New York City« in einer Fuzz-Bass-Version, so dark wie Velvet Underground.

Und dann kamen die New Yorker, die immer noch in New York leben. The National legten zunächst sehr Uptempo und nihilistisch los, und sie wurden vom ersten Moment ihres Auftritts an frenetisch gefeiert. Es war auch tatsächlich fantastisch! Das Entgegenkommen der Leute, das The National entgegen schlug, sorgte für Souveränität auf der Bühne: Statt munter weiter zu klöppeln, wurden sie en gros immer etwas langsamer, breiteten ihren Sound aus. Sowieso scheinen The National in Frankreich
ziemlich groß zu sein. Gegen Ende bedankte sich Sänger Matt Berninger bei France Inter, einem landesweit ausgestrahlten Radiosender mit vernünftigem Abendprogramm. Und tatsächlich hing bei ausgerechnet »Fake Empire«, diesem stoischen Melancholiker von Song, auf einmal ein Chor in der Luft. Eine Erfahrung. Der graue Fels Berninger hatte sich zuvor schon, zusätzlich aufgemuntert durch ein paar mit Wodka gefüllten Evian-Fläschchen, sogar dazu hinreissen lassen, seinen unbeugsamen, steifen Körper in die Menge zu schmeissen. Dieser weltabgewandte Typ divete tatsächlich stage.

Eddie Argos folgte: »Are you ready Art Brut?«, und los ging ein anderthalbstündiges Entertainment-Programm. Argos hat eine Technik entwickelt, dank derer Song und Ansage ihre Grenzen verlieren. Während seine Band glamrockte, erzählte er seine Geschichten von Ex-Girlfriends und Top Of The Pops. Schließlich noch The Go! Team: Eine Freude sie zu sehen, super, ihre neuen Songs zum ersten Mal live zu hören. »Proof Of Youth« wird klar eines der Alben des Jahres, doch: Auf dieser riesigen Bühne, vor all diesen, um 1h nachts gut 5000 Leuten, wirkten die Brightoner total übermotiviert und gaben nur Vollgas. Ihr Sound klirrte, und ihr sonst so liebenswertes kindliches Geschlechter-Ensemble schien da oben sehr angespannt. An solche Mengen werden sie sich natürlich auch noch gewöhnen. Heute abend geht es weiter: mit Fujiya & Miyagi, den 120 Days und den Besnard Lakes.

 

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