Escape-Ism „Introduction to Escape-Ism“ / Review

Ian Svenonius singt so schön trostlose Song, die gleichermaßen in Herz und Geschlechtsteile knallen.

„I Am Pentagon“: Wer so etwas schon 1999 mit krächzend-erotischer Stimme verlautbarte und dazu Soul-Punk spielte, bevor es modern wurde, darf knapp 20 Jahre später auch über vermeintliche Allgemeinplätze wie „Walking In The Dark“ oder „Lonely At The Top“ sinnieren. Escape-ism und die zugehörige Einführung sind das x. Projekt von Ian Svenonius, der mit Nation Of Ulysses positiv zwischen all dem Grunge, Hardcore und Post-Punk verunsicherte, mit The Make-Up das oben erwähnte Pentagon besang, mit Weird War und Chain & The Gang den sexiest Garagen-Punk’n’Roll-Soul produzierte und zu einer Art Prince für dieses Genre wurde: immer over the top, niemals pathologisch oder lustig. Zudem schrieb Svenonius massig Underground-Literatur, von Rock’n’Roll-Strategien bis zu polemischen Zensurforderungen. Viele Menschen glauben, er wäre ein besserer Präsidentschaftskandidat gewesen als Clinton oder Trump.

„And when we wanted to surf / They took the wave“.

Neben Jon Spencer ist Svenonius auch noch einer der bestgekleideten und aussehenden Performer unter den offensichtlichen James-Brown-Fans seiner Generation. Nach knapp 30 Jahren Schaffen haut der Typ nun ein minimalistisch-düsteres Solodebüt raus, das neben Garagen-Soul zu jeder Sekunde den peitschenden, brutal kargen New- und No Wave von Suicide atmet. Drumbox, Fuzz-Gitarre, Bass, Kassettenspieler, Saxofon und Svenonius’ Singen, Sprechen, Klagen, Jauchzen, Kreischen, Schreien machen klar, dass hier eine Menge echt nicht in Ordnung ist. Mit voller Wucht knallen die Songs direkt in Herz und Geschlechtsteile, das Hirn kann man zu Hause lassen oder zu Svenonius rüberwerfen – und dann tanzen, tanzen, tanzen. Wie singt der Mann so schön trostlos: „And when we wanted to surf / They took the wave“. Langsam darf man ja von seinem Album des Jahres reden. Dazu reichen diese 31 Minuten.

Diese Review ist wie viele andere Plattenbesprechungen in der Printausgabe SPEX No. 377 zu lesen. Das Heft ist versandkostenfrei hier bestellbar.

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