Es wird ernst

Auch wenn die meisten der großen Tageszeitungen das Thema vorerst wieder vom Feuilleton-Tisch genommen haben, die Bild (am Sonntag) bleibt am Ball und informierte am Wochenende Interessierte mit der Nachricht, dass mittlerweile ein offizieller Antragstext der rot-grünen Koalition vorliegt, welcher d …
Auch wenn die meisten der großen Tageszeitungen das Thema vorerst wieder vom Feuilleton-Tisch genommen haben, die Bild (am Sonntag) bleibt am Ball und informierte am Wochenende Interessierte mit der Nachricht, dass mittlerweile ein offizieller Antragstext der rot-grünen Koalition vorliegt, welcher die Rundfunkstationen unter anderem dazu verpflichten soll deutsche Nachwuchskünstler besser zu fördern und in ihren Programmen zu diesem Zweck 35 Prozent deutschsprachige Rock- und Popmusik zu spielen. Der von SPD-Fraktionschef Franz Müntefering unterstützte Antrag solle noch in diesem Herbst verabschiedet werden, berichtete die BamS. So viel zu dem zwischendurch als "Sommerloch"-News abgetanen Quotenforderungsvorstoß einiger Musiker u.a. im Rahmen der Berliner Popkomm.
Die Bundesregierung soll dann nach einem Jahr, also Anfang 2006, kontrollieren, ob sich die Sender an die Auflagen gehalten haben. Sei dies nicht der Fall, sollten gesetzliche Maßnahmen ergriffen werden. "Ohne Androhung von Gesetzen bewegt sich nichts, das hat schon die Ausbildungsumlage gezeigt. Wir machen maximalen Druck, damit die Sender endlich spuren", wir die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Monika Griefahn, zitiert. Dass sie sich rechtlich auf dünnem Eis bewegt, steht leider nirgens zu lesen. Inhaltlich gilt sowieso: Klappe halten. (Siehe auch der aktuelle Sonderteil und Titelthema von SPEX, klar.) Auch Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer trötete wieder ins Horn der ewig grüßenden Quotenmurmeltiere und die CDU-Abgeordnete und Vorsitzende der Bundestags-Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland", Gitta Connemann, wird gar wie folgt zitiert: "Es geht um die Vielfalt der Musik und um den Schutz der deutschen Sprache." Wie BamS weiß, gibt es aber Gegner einer solchen Quotenregelung. So hatten sich Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Kulturstaatsministerin Christina Weiss bereits vor einger Zeit gegen eine Quote für deutschsprachige Musik im Radio ausgesprochen. Stattdessen plädieren beide für eine freiwillige Selbstverpflichtung der Rundfunksender. Eine Meinung? Eher Gottvertrauen. Hätten sie alle doch mal besser Sarah Kuttner gefragt, sie sagte bereits vor einigen Wochen der Osnabrücker Zeitung: "Wer Quote fordert, fordert Quantität statt Qualität". Ein schwammig Formulierter Passus im Antragstext soll zwar genau dies verhindern, uns bleibt rot-grün trotzdem vorerst nur die Empfehlung: Maul halten und Kuttner Show gucken. Die Livegäste diese Woche: The Hives, Tiger Lou und Klee (laut viva.tv. "Deutschlands anmutigste Popband (und die bessere Kölner Antwort auf eine Frage, die 2Raumwohnung nie gestellt haben)". Passt doch.

P.S.: Einzig die User von Chanson.de sind mit einer überwältigenden Mehrheit von 68% eindeutig für eine Quote. Was für ein Zufall. Dem hiesigen Sprachpotektionismus dürfte alsbald aber auch diese Domain zu Opfer fallen können. Schade eigentlich.

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